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Chronik der Volkskunde
ÖZV XLVIII/ 97
die Leitung seines Museums in andere Hände legte. Aber ich hoffe undglaube, daß es uns allen, die wir im Salzburger Freilichtmuseum arbeiten,gelungen ist, ihm das Gefühl zu vermitteln, daß sein Werk auch in seinemSinne weitergeführt wird. Als Vorstandsmitglied des Vereines der Freundedes Salzburger Freilichtmuseums, dem Förderverein, den Hofrat Conradmitbegründet hatte, stand Conrad dem Freilichtmuseum bis zu seinem Todemit seinem großen Fachwissen und seinem Rat zur Seite.
Hofrat Kurt Conrad war aber auch einer der letzten in der VolkskundeSalzburgs, der im Zeitalter der Spezialisierung noch ein umfassendes Wis-sen über die vielen Bereiche unserer Volkskunde besaß und dieses Wissenauch aus der Praxis, aus dem Miterleben, der eigenen Erfahrungen undVergleiche bezog.
Michael Becker
,, Je suis naturaliste, rationaliste, réaliste."< l
Zum Andenken an den französischen Ethnologen und VolkskundlerMarcel Maget( 30.5.1909 bis 7.3.1994)
Hinter diesem Selbstbekenntnis stand ein umfassendes, anspruchsvollesProgramm. Das spiegeln auch Marcel Magets Bücher und Aufsätze wider,und das hätte ein letztes geplantes Werk, als eine Art Synthese gedacht, näherausführen sollen. Ohne Zweifel hätte solch eine Rückschau, gespeist auslangjährigen Erfahrungen und Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbei-ter und Konservator im volkskundlichen Museum von Paris, als Professorfür Ethnographie in Paris und Dijon, die Stellung Magets innerhalb derGeschichte der französischen Ethnologie zurechtrücken können. MagetsStudien wurden in Frankreich nur unzureichend reflektiert und oft gar nichtin den wissenschaftlichen Diskurs aufgenommen. Das lag sicher nicht ander Qualität der Arbeiten, hatte vielleicht etwas mit der eigenwilligen,kämpferischen Persönlichkeit Magets zu tun, ganz sicher aber mit wissen-schaftstheoretischen Moden.
Erst 1989 versuchten die französischen Soziologen Florence Weber undJean- Claude Chamboredon mit einer kleinen Präsentation von Magets Wer-ken eine verstärkte Rezeption einzuleiten.² Anlaß war das verzögerte Er-scheinen von ,, Le Pain anniversaire" ³, einer Dorfmonographie, der hier derRang einer klassischen Feldforschung verliehen wird. Basierend auf einerStudie der longue durée, die insgesamt den Zeitraum von 1946 bis 1976umfaßt, untersuchte Maget den Brauch des Brotbackens in einem abgeschie-denen Dorf der französischen Alpen: Das sogenannte Jahresbrot( nur ausRoggenmehl und Wasser bestehend) wurde, wie der Name besagt, einmal