Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVIII/ 97

Nekrolog auf Kurt Conrad( 27.12.1919 1.5.1994),gesprochen am Grabe am 6. Mai 1994

In diesem Jahr feiert das Salzburger Freilichtmuseum sein zehnjährigesBestehen. Die Eröffnung des Museums an jenem strahlenden Herbsttag vorzehn Jahren, brachte wohl auch den Höhepunkt des Werkes von Hofrat Dr.Kurt Conrad. Das Werk eines Lebens, das mit einer noch unfaßbarenPlötzlichkeit am 1. Mai endete. Das Leben eines Mannes, der uns allen nochals ein mitten im Leben Stehender in Erinnerung ist, als einer, dem die Jahrenichts anhaben konnten. Er ist uns in Erinnerung als einer, der auf Grundseiner vielen Tätigkeiten, Interessen und eingegangenen Verpflichtungenkeine Zeit für Alter und ruhigere Tage zu haben schien. Er blieb immer dergleiche beständige, konsequente, sich in seine Arbeit vertiefende Mensch,auch als er aus dem Berufsleben in den Ruhestand wechselte.

Hofrat Conrad, schon in dieser für ihn typischen, charakteristischenAnrede spiegelte sich der Respekt vor einem hochgebildeten, kunst- undkultursinnigen Mann wider, der nach dem Grundsatz zu leben schien: weißich etwas, dann rede ich mit und vertrete konsequent meinen Standpunkt.Weiß ich es nicht, dann möchte ich es wissen! Er war ein Mensch, der sichsein vielfältiges Wissen nicht nur in der Studierstube aus Büchern aneignete.Für ihn waren die Menschen auf dem Land, im Dorf, die Bauern hoch obenauf ihren einsamen Höfen, die aus ihrer Tradition schöpfen, oder die Auf-zeichnungen in den verschiedenen Archiven ein Teil seiner Welt, in der dasFragen, Hören, Sehen, Denken, Vergleichen, Erkennen und Schreiben zueiner begeisterten Berufung führte.

Heimat erwandern, Land und Leute direkt kennen und verstehen lernenfaszinierte ihn. So konnte er Rückschlüsse ziehen auf die Denkweise derMenschen, auf ihre Bau- und Wirtschaftsweise, auf das Wechselspiel vonNatur, Kultur und Mensch.

Heimat, seine Heimat war ihm stets Verpflichtung. ,, Heimat als Erbe undAuftrag" wie auch treffend der Titel seiner Festschrift anläßlich seines 65.Geburtstages lautet. Wenn es um diese seine Heimat Salzburg ging, konnteer auch als hochsensibler Mann und Wissenschaftler Härte zeigen- dazusteckte in ihm auch zuviel der Soldat- er war Gebirgsjäger und Offiziergewesen. Hier ist der Heimatpfleger Kurt Conrad gemeint, der auch unan-genehme und hartbeschwerliche Wege der Auseinandersetzung auf sichnahm, wenn er sich für Dinge einsetzte, die es zu bewahren und zu schützengalt, wenn sie durch Unwissenheit und Unkenntnis zerstört oder einemfalschen Zeitgeist geopfert werden sollten.

Mit imponierender Hartnäckigkeit, wie es einmal genannt wurde, vertrater seine Anliegen und Interessen, wobei ihm stets sein umfassendes Wissender beste Verbündete war und ihm stets auch den Respekt derer einbrachte,