Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
277
Einzelbild herunterladen
 

Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLVIII/ 97, Wien 1994, 277-283

Mitteilungen

Über volkskundliche Forschungen der ungarischen Minderheit

in der Slowakei

Von József Liszka

Mit großem Interesse habe ich in der Nummer 1/1993 der Österreichi-schen Zeitschrift für Volkskunde die Übersicht ,, Volkskunde in der Slowa-kei von Gabriela Kiliánová gelesen. Da die Autorin in der Überschrift ihrerAbhandlung nicht nur über die slowakische, sondern über die volkskundli-che Wissenschaft in der Slowakei generell spricht, und da nach letztenAngaben der Volkszählung im Jahre 1991 10,8%( insgesamt 566.741) derBevölkerung ungarischer Nationalität ist, ist es nicht uninteressant, dieErgebnisse der volkskundlichen Forschungen, wie sie von ungarischenFolkloristen und Ethnographen in der Slowakei im Kreise der nationalenMinderheit durchgeführt werden, zu betrachten. Wegen des begrenztenUmfangs ihrer Abhandlung konnte die Autorin darauf nur in einigen Zeileneingehen.

Im Ungarn der Zeit vor 1918 stand die Wiege sowohl der slowakischenals auch der ungarischen Volkskundewissenschaft auf dem Gebiet des da-maligen Oberungarns. Die Anfänge sind sehr verflochten, sodaß, mehr oderweniger berechtigt, beide Nationen das Schaffen der vorwiegend lateinischschreibenden Autoren( Matthias Bel, Georgius Gyurikovits und LadislausBartholomeides) als ihr eigenes( Kósa 1989, S. 32- 41; Urbancová 1987,S. 1133) betrachten. Im Grunde genommen hat die Entfaltung der Folklo-ristik dazu beigetragen, daß sich die Volkskundewissenschaften beider Na-tionen eindeutig auf nationalen Grundlagen trennten. Da Kiliánová in dergenannten Abhandlung über die slowakische Folkloristik und Ethnographieberichtete, möchte ich mich jetzt nur mit der ungarischen befassen.

Die Anfänge der Interessen für die ungarische Folkloristik sind mit 1782anzusetzen, als in der Preßburger Zeitung ,, Magyar Hírmondó" ein Aufruferschien, in dem- als offenbare Wirkung auf Herders Schaffen-die unga-rische Intelligenz zum Sammeln von Volksliedern aufgerufen wurde( Kósa1989, S. 4447). Etwas später( in den Jahren 1811 und 1817) veröffent-lichte der in Komorn geborene István Kultsár ähnliche Aufrufe. Im Jahre1817 erschien in der Zeitschrift ,, Tudományos Gyűjtemény ein Preisaus-schreiben für die Darstellung der markantesten ungarischen Volksgruppe,