1994, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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des zuweilen rein referierenden Duktus der Beiträge, doch oft nicht leicht.Die Ergebnisse eines aus disparatesten Quellen schürfenden Fleißes werdenvom Leser dankbar zur Kenntnis genommen; manchmal freilich würde ersich eine Art Summarium des Bandes als eine Klammer wünschen, die dieVielfalt der gebotenen Dokumentation thesenhaft zusammenhielte. Wieauch immer: Mit dem 6. Band seiner im Jahresrhythmus erscheinendenPublikationsreihe hat das ,, Salzburger Landesinstitut für Volkskunde" er-neut ein kräftiges, für die Kleidungsvolkskunde sicher über den regionalenRahmen hinaus zu registrierendes Lebenszeichen gegeben.
Herbert Nikitsch
Hans- Peter ECKER, Die Legende- Kulturanthropologische Annäherungan eine literarische Gattung. Stuttgart 1993, XI, 397 Seiten.
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Über ,, Legende" ist viel geschrieben worden und wir denken ganz spon-tan zunächst an Leopold Kretzenbacher, der in vielen Einzeluntersuchungenund Analysen höchst wertvolle Beiträge zum Wesen dieses Genres geleistethat. Dennoch fehlt eine abschließende Synthese zu diesem eigenartigen-und oft auch geheimnisvollen – Erzählbereich, der so stark der Verbindungvon Diesseits und Jenseits verbunden ist. Eine solche erwünschte ,, summa“kann auch Ecker nicht liefern, obwohl sein Werk mit großer wissenschaft-licher Akribie und immensem Fleiß bemüht ist. Der Akzent liegt dazu zusehr auf dem literarischen Aspekt. Es muß damit die Funktion der Legendeals eine Ausstrahlung unmittelbaren und lebendigen Erzählens entfallen.Dennoch aber ist mit diesem Buch etwas Großes geleistet, das unsereweitere Beschäftigung mit der Legende voranbringt.
Alle Kapitel dieses breit angelegten Werkes können hier nicht aufgezählt,lediglich die volkskundlich besonders evidenten gestreift werden. Das giltetwa für die Abschnitte ,, II. Vom Mythos zur Legende: zum Prozeß kultu-reller Differenzierung“ und„, III. Strukturzüge der Legende".
Ecker sucht- ähnlich wie Mircea Eliade- den Anfang beispielsweise beiden australischen Aborigines und ägyptischen Jenseitsmärchen. Zweifelloshat er hier wichtige Zusammenhänge entschlüsselt und richtig gedeutet.Schwieriger wird es, ihm in seinem Verständnis von„, Wirklichkeit“ zufolgen, ist doch die Wirklichkeit eines Menschen, der Wunderbares erfährt( oder zu erfahren vermeint), anders als das Wirklichkeitsverständnis einesin der modernen Welt Lebenden.
Widerspruchsvoll bleibt auch, was der Autor in der Zuordnung derLegende hinsichtlich der Frage von, Kurzform' und, Novelle, Kurzroman'formuliert. Das heißt: für die literarische Gestaltung mag seine Definition