Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
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1994, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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Werk Anreiz und Vorbild für zahlreiche noch ausstehende Nachlaßbearbei-tungen sein- dies sicher auch in der Volkskunde.

Helmut Eberhart

Trachten nicht für jedermann? Heimatideologie und Festspieltourismusdargestellt am Kleidungsverhalten in Salzburg zwischen 1920 und 1938(=Salzburger Beiträge zur Volkskunde, Band 6). Salzburg, Eigenverlag desSalzburger Landesinstituts für Volkskunde 1993, 347 Seiten, zahlr. Abb.

Der Gamsbart sei eines der, ganz wenigen Symbole für die IdentitätÖsterreichs, meinte kürzlich Staatssekretärin Ederer in einem ORF- State-ment zu inhaltlichen und formalen Aspekten der EU- Werbekampagne, undkonsequenterweise ziert dieses Accessoire auch jenes Strichmännchen, dasin einem Werbespot mit überzeugtem ,, Eh kloar die künftige nationalkul-turelle Eigenständigkeit nach einem EU- Beitritt betont. Das kleine Beispieleines kleinen Attributs mag zeigen, daß das volkskundlich- kanonische SujetTracht" nach wie vor aktuell, daß die Signalfunktion von Kleidung heut-zutage( wieder) von einer über den Rahmen individueller Selbststilisierunghinausgehenden Bedeutung von öffentlich- politischer Dimension ist- einerDimension, die über die in diesem Zusammenhang oft und gern strapazierteAuthentizitätsproblematik reicht.

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Kleidungsforschung( s. allgemein einführend den Beitrag von G. Böthin: R. W. Brednich( Hg.), Grundriß der Volkskunde. Berlin 1988) ist wissen-schaftsgeschichtlich geprägt durch die thematische Polarität von ,, traditio-neller Tracht und ,, kurzfristiger Mode- letztere lange Zeit in disziplinärerArbeitsteilung der kunstgeschichtlichen Betrachtung vorbehalten-, durchKontroversen sowohl im( auch rezenten) fachlichen Diskurs( s. beispiels-weise K. Beitl/ O. Bockhorn( Hg.), Kleidung- Mode- Tracht. Referate derÖsterr. Volkskundetagung 1986. Wien 1987) wie auch, von diesem begleitetbzw. geschürt, in den Diskussionen auf dem Forum eines von pflegerischenund ökonomischen Interessen gleichermaßen beherrschten Marktes. Sieversteht sich heute, über solche fachinternen wie-externen Verwer-tungsaspekte hinaus, einem Zugang verpflichtet, der im Dreischritt vonreliktforschender Perspektive( Tracht als traditionelle Kleidung einer frühe-ren Kulturstufe) über die Frage nach, gegenwärtiges Bedürfnis weitgehendausklammernder, folkloristischer Funktion( Tracht als Kontrastphäno-men" in nivellierender und nivellierter[ Tourismus] Kultur) zu einer Einbet-tung der Thematik in das Ganze des heutigen kulturellen Horizonts fortge-schritten ist( s. H. Bausinger, Konzepte der Gegenwartsvolkskunde in: ÖZV87/38, 1984), und dem es vorrangig weniger um eine Bekleidungsgeschichte