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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVIII/ 97
Hausforschung auf gelungene Weise verbindenden Beitrag( in dem nicht nurbäuerliche Gehöfte, sondern auch die Häuser der Marktsiedlung ausrei-chend Berücksichtigung finden) gelingt es dem Autor mit exakten Baube-funden, auch die Frage der Entstehung des regionalen Einhoftypus zubeantworten: ,, Es handelt sich um die Einfügung einer Blockbau- Behau-sung in einen Ständerbaustadel“, und zwar verursacht durch die im Spätmit-telalter einsetzenden Güterteilungen, als deren Folge die Viehzahl verringertwerden mußte und die Errichtung von getrennten Gebäuden für Wohn- undWirtschaftszwecke nicht mehr lohnte. Ähnlich bemerkenswert ist auch dervon Irmtraut Froschauer und Ulrike Kammerhofer erarbeitete Abschnittüber ,, Das Alltagsleben in vergangenen Jahrhunderten“, dem vor allem dieAuswertung archivalischer Belege zugrunde liegt. Bräuche, Nahrung, Woh-nen und Wirtschaften, Kleidung, Gasthauskultur werden in ihrer sozioöko-nomischen Bedingtheit kurz dargestellt, frei von jener mythologisierendenIdeologie, die etwa das gleichzeitig erschienene ,, volkskundliche" Kapitelin Heinz Dopschs ,, Geschichte Salzburgs" prägt.- Insgesamt sei diese,, Geschichte einer Salzburger Marktgemeinde" mit der gelungenen Verbin-dung von populärer Text- und Bildgestaltung und gewahrter Wissenschaft-lichkeit allen ähnlichen Vorhaben zur Nachahmung empfohlen.
Olaf Bockhorn
Michaela WOLF, Hugo Schuchardt Nachlaß(= Arbeiten aus der Abtei-lung ,, Vergleichende Sprachwissenschaft“, Graz, Band 6), Graz, Leykam1993, XIX+ 635 Seiten.
Als der bedeutende Romanist Hugo Schuchardt am 21. April 1927 starb,hinterließ er einen Nachlaß, der nicht so rasch seinesgleichen findet. Ervermachte der Universitätsbibliothek Graz neben zahlreichen Dokumenten,Manuskripten und Sammlungen einen Schatz von 13620(!) Briefen. Bereitsim Oktober 1927 schrieb die Universitätsbibliothek, daß beabsichtigt sei,,, nächstens(...) Schuchardts Korrespondenz zu ordnen und einzureihen"( S. X), doch blieb auch diesem Fundus das Schicksal so vieler Nachlässenicht erspart: er lag in Kisten verpackt unberührt in Depots. Erst in denfrühen 60er Jahren wurden die Briefe nach Korrespondenten geordnet. 1977fand in Graz anläßlich seines 50. Todestages ein Schuchardt- Symposionstatt und damit verstärkte sich das Interesse an seiner Person erneut. Abge-sehen von einzelnen Bearbeitungen und der Erstellung eines Briefregisters( 1979) verzögerten sich die entsprechenden Pläne weiterhin, und es solltennoch ca. zehn Jahre vergehen, ehe die Romanistin Michaela Wolf über einwissenschaftliches Projekt beauftragt wurde, den Nachlaß systematisch zu