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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVIII/ 97
Auch Berge und Burgen operieren mit dieser Selbstverständlichkeit; siesind zunächst Orte der Sicherheit, dann des ordnenden Rechts. Warnkespricht von einem ,, herrschaftlichen Konzept des Verhältnisses zwischenBurg und Land"( S. 53), als eines Verhältnisses, das freilich seit demHochmittelalter mannigfaltige Adaptierungen an die reale politische Situa-tion einerseits, an ideale Herrschaftsentwürfe andererseits erfahren hat. DieArt, wie Burgen im Bild erscheinen( beschirmend, entrückt, sich der Land-schaft öffnend), gibt Auskunft über die Verflechtungen dieses feudalenHerrschaftszeichens mit dem Territorium. Die Art wiederum, wie die Mo-derne Burgen zu benützen gelehrt hat- als Ausflugsziele und Stätten einesharmoniebedürftigen Blicks über das Land erzählt auch noch dort vonpolitischen Sehnsüchten ,,, wo(...) die politische Vergangenheit der Anlagenganz verdrängt wird"( S. 55).
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Daẞ stets idealisierte Sehgewohnheiten und Darstellungstraditionen underst in zweiter Linie die reale historische Praxis das jeweils ikonographischMögliche bestimmen, zeigt sich deutlich in der Entwicklung Vom Kampf-platz zur Kriegslandschaft. Erst mit Verspätung konnten sich die neuenHeeresstrukturen gegen den heroischen Kampf Mann gegen Mann im Bilddurchsetzen, und der wachsende Einbezug der Landschaft in die Kriegstak-tik konkurrierte noch lange mit dem Anspruch, zuallererst die Fähigkeitendes Feldherrn wirksam zur Geltung zu bringen.
Diese feinen Verschiebungen von Anspruch und Ideologie zeichnet Warn-ke kurz und mit prägnanten Beispielen illustriert nach im Kapitel DieFreiheit der Natur als politische Freiheit, dem Kapitel, zu dem bereits diemeisten monographischen Arbeiten vorliegen. Er faßt dabei besonders denGlauben an die erzieherischen Fähigkeiten nachgestellter Natur ins Auge,wie er sich etwa in der Debatte um die Englischen Gärten niederschlug und derin den meisten europäischen Städten nach der Beseitigung der Befestigungsan-lagen den urbanen Kern mit regelrechten Tugendgärten umgeben ließ.
In weit größerem Umfang wissenschaftliches Neuland betreten hingegendie Kapitel Naturgewalten und Naturgestalten sowie Politische Naturmeta-phorik, in denen Warnke ikonographisch höchst beachtliches Material zuLandschaftsphysiognomien, Kolossen, kolossalen Landschaftsbildnissenund Berg- Fürsten- Allegorien um nur einige Stichworte zu nennen- aus-breiten kann. Bemerkenswert, weil in diesem Kontext als Quelle seltenbemüht, erscheinen dabei besonders die Übersetzungen politischer Phanta-sien in die Emblematik mit ihren nicht immer leicht zu lesenden Naturme-taphern.
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Gerade die verschlüsselte Symbolik dieser und ähnlicher Gattungen führtdie Spielregeln der politischen Naturagitation am eindruckvollsten vorAugen. Zeigt sich darin doch, wie wichtig für eine funktionierende Verstän-digung das Beibehalten scheinbar naturgegebener Qualitäten ist. Erst Erfah-