Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
178
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVIII/ 97

scher Kultur im Gegensatz zu Zivilisation und Moderne an Gewicht

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Der Essay mag manchmal zu leicht geschrieben sein und er ist, gerade inder Nachkriegsgeschichte, deutlich auf Deutschland konzentriert. Trotz-dem: Österreich dürfte sich in den zentralen inhaltlichen Strängen nurunwesentlich unterscheiden. Man mag letztlich auch eine abschließendePrognose Diners teilen oder auch nicht, diskussionswert ist sie allenfalls: Inder sich abzeichnenden Auseinandersetzung ,, zwischen der politischen Kul-tur des Westens und ihrer Feinde" wird mit Sicherheit eine Neubestimmungauch des Amerikabildes vonnöten sein.

Das Buch regt jedenfalls zum Weiterdenken an; angeregt sei damit aucheine Studie volkskundlicher Amerika- Kritik, die- so scheint es--im Ergeb-nis( wie auch sonst vielfach) Einfaches zu Tage fördern würde: Volkskund-licher Antiamerikanismus war selten originär, war meist simpel wiederho-lend, blieb das Echo von andernorts Vorgegebenem.

Reinhard Johler

1 Kerschbaumer, Gert, Karl Müller, Begnadet für das Schöne. Der rot- weiß- roteKulturkampf gegen die Moderne. Wien 1992, S. 94 f; Faszination Drittes Reich.Kulturmetropole Salzburg. Salzburg 1988.

Robert GEHER, Wiener Blut oder Die Ehre der Strizzis. Wien, Edition Sim Verlag Österreich, 1993, 280 Seiten, Abb.

Der Leser schnuppert nicht Operettenluft, sondern betritt das verruchteTerrain der Wiener Unterwelt. Statt dem Showbusiness im Scheinwerfer-licht, lernt er die Bühne der Rotlichtbannmeile des Wiener Gürtels kennen,dessen Drehbuch nicht nach einem pretty woman Lifestyle abläuft. Eswerden ihm die Akteure hinter dieser Bühne vorgestellt, die nach ihreneigenen Gesetzen leben und ihre eigene Sprache sprechen, die sich nicht nurauf das Verbale beschränkt. Agiert wird innerhalb eines tradierten Ehrenko-dexes, dessen Einhaltung weniger durch die Justiz gestört wird, als durchdie Ausbruchsversuche des Nachwuchses in die Brutalität. Dem WienerJournalisten Robert Geher ist eine spannende Kombination aus Unterhal-tung und wissenschaftlicher Bearbeitung in einer für den Leser salonfähigenAufbereitung des Wiener Milieus gelungen. Eine ausgewogene Mischungvon Zahlen und Fakten mit Schilderungen der Tathergänge in Kriminalro-manmanier garantieren Spannung und Interesse.