174
Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVIII/ 97
schung, Vereins-, Zeitschrift- und Museumsgründungen, Kaiser- Huldi-gungs- Festzug. Präzisiert werden könnte damit auch Michael Haberlandtsliberal- bürgerlich geprägtes Nationalverständnis.
Wenn aber abschließend doch eine Lektüre empfohlen wird, so hat dieseinen konkreten Grund: der Kaiser- Huldigungs- Festzug gehörte, wie ein-gangs erwähnt, zu den letzen( liberal-) bürgerlichen Interpretationen derübernationalen Donaumonarchie. Darin war er, weil auch mit identempersonellen Hintergrund, ein ähnlicher Versuch wie auch die österreichischeVolkskunde mit ihrem bald hundertjährigen Verein, seiner Zeitschrift undseinem Museum. Der Kaiser- Huldigungs- Festzug war, was die Entwicklungder Volkskunde und ihre öffentlichkeitswirksame Dimension betrifft, vonnicht zu unterschätzender Bedeutung. Das Buch bietet dafür mit seinemausgebreiteten Quellenmaterial zahlreiche Belege.
1 Zeitschrift für österreichische Volkskunde, 1. Jg., 1895, S. 28.
Reinhard Johler
2 Haberlandt, Michael: Der Kaiserjubiläumsfestzug am 12.6.1908, S. 139- 140.
Georg RIGELE, Die Wiener Höhenstraße. Autos, Landschaft und Politikin den dreißiger Jahren. Wien, Turia& Kant, 1993, 193 Seiten, 65 S/ W- Abb.
Daẞ Landschaften politische Symbolwerte besitzen, steht außer Zweifel,seit in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Veröffentlichungen sich mitder Kulturgeschichte der Natur beschäftigt haben. Der nationale Aspekt isthier dabei ebensowenig zu übersehen wie bei den Maßnahmen zur Automo-bilisierung in diesem Jahrhundert, der zweiten Koordinate des in diesemKontext für Österreich erstmals zur Debatte stehenden Themenfeldes.
Der jetzt edierte Band ist Teil einer historischen Dissertation an derUniversität Wien, die neben der Wiener Höhenstraße auch noch die Groß-glockner- Hochalpenstraße zum Inhalt hatte. Er stellt die im autoritärenStändestaat begonnene und kurz nach dem sog. Anschluß fertiggestellteStraße auf und über das Wiener Kahlengebirge in den Zusammenhang einerpolitischen Landschaftsidee und untersucht die Funktionalisierung desStraßenbaus und Automobilverkehrs in den nach Symbolen ringendendreißiger Jahren.
Georg Rigele geht quasi chronologisch vor und sichtet zunächst einmalvorsichtig das Terrain. Einem einleitenden Kapitel, in dem die Geschichteder Landschaftsauffassung nebst einiger österreichischer Spezifika im 18.