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97 (1994) / N.S. 48
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1994, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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nachrecherchiert und ebenso detailliert auch dargestellt hat. Erfreulich istgleichermaßen der abschließende Bildteil, der Entwürfe der Künstler, denFestzug in der Karikatur sowie photographische Aufnahmen beinhaltet. Ansachgerechten Informationen mangelt es wahrlich nicht. Allerdings wäreeine Überarbeitung und Straffung vor der Publikation vonnöten gewesen.Gleiches trifft auch auf das flüchtig dahingeschriebene Vorwort von MargretDietrich zu. Das Lesen des Buches gleicht oft einer unnötigen Hetze vonZitat zu Zitat. Diese sind oft überlang und zwangsläufig schleichen sichzahllose Wiederholungen in den Text ein, die den Lesefluß stören und dengewollten authentischen Eindruck letztlich trüben. Zudem werden journali-stische Werke( etwa jene von Helmuth Andics), obwohl längst Besserespubliziert ist, als grundsätzliche Literatur herangezogen. Inhaltlich ist dasBuch nur in Teilen überzeugend und weist gerade in der analytischenDeutung des Kaiser- Huldigungs- Festzugs Schwächen auf. Der Vergleichmit dem Markart- Umzug ist nicht wirklich gelungen, die behauptete weiter-wirkende Rolle von Erzherzog Rudolf bzw. dem Kronprinzenwerk erscheintüberzogen. Tatsächlich stellte der Obmann des Festkomitees Graf Wilczekzwar eine personelle und inhaltliche Kontinuität dar, aber ein bruchloserZusammenhang hätte einer dichteren Belegkette bedurft. Überinterpretiertscheint mir auch die Deutung Josefs II. am Wiener Hof des beginnenden 20.Jahrhunderts zu sein. Zu bemängeln sind weiters, angesichts der Reputationdes ,, Verlags der Österreichischen Akademie der Wissenschaft und auchwegen des Buchpreises, formale Kriterien: Ein Quellen- und Literaturver-zeichnis, wie sonst üblich, fehlen. Der Satz ist in Teilen zumindest unkorrektoder unübersichtlich, die Zitierweise wurde nicht durchgehend vereinheit-licht, manche Anmerkungen sind zu wenig präzise oder gar falsch( vgl.S. 259, Anm. 91).

Volkskundlicherseits wäre, was der Autorin nicht vorgeworfen werdensoll, manches nachzutragen bzw. weiterzudenken. Der genannte, die Ehren-präsidentschaft innehabende Graf Wilczek etwa gehörte auch zu den Grün-dungsmitgliedern des ,, Vereins für österreichische Volkskunde"; auch hatdie ,, Zeitschrift für österreichische Volkskunde dem Thema mehrfachRaum gegeben. Eine engere volkskundliche Interpretation hätte m.E. aufdrei Ebenen einzusetzen. Zunächst wären die im Festzug vertretenen Echt-heits- Vorstellungen der Jahrhundertwende zu analysieren. Als Zweites wärezu fragen, warum gerade Trachten als das am besten geeignete Mittelerschienen, die Nationen der Monarchie, aber auch deren Zusammengehö-rigkeit zu demonstrieren. Und drittens gilt es, die Bedeutung des Kaiser-Huldigungs- Festzugs 1908 für die volkskundliche Fachkonstituierung erstgenauer zu untersuchen. Hier müßte der Kette des sich etablierenden ethno-graphischen Denkens in Österreich ein bislang wenig beachtetes Detaileingearbeitet werden: Weltausstellungen, Kronprinzenwerk, Balkanerfor-