1994, Heft 2
Chronik der Volkskunde
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Kleidung und Gebrauchstextilien wurden überwiegend selbst im Hausehergestellt, wobei man Naturmaterialien, Flachs, Hanf, Baumwolle, Wolleund Fell verwendete. Stickereien, Spitzen und gemusterte Gewebe warendie häufigsten Verzierungselemente. Ihre Anbringung, Häufigkeit undFarbzusammenstellung deuten auf Alter, Geschlecht und Glaubenszugehö-rigkeit des Trägers sowie auf besondere Gelegenheiten hin. Auch der Cha-rakter der jeweiligen Gegend hatte darauf Einfluß.
Untrennbarer Bestandteil der Frauen- und Männerkleidung war derSchmuck, der durch Hämmern, Prägen oder in Filigranarbeit aus Buntmetallangefertigt wurde. Weitere Materialien waren Horn, Perlmutt, Glas undWachs. Außer der ästhetischen Funktion diente der Schmuck auch derFixierung und Festigung.
Die größte Gruppe bilden Erzeugnisse aus Holz. Seine Eigenschaftenermöglichen verschiedene Verzierungstechniken bei der Anfertigung vonlandwirtschaftlichen Geräten, Hirtengeschirr, Möbeln, Spielzeug, Arbeits-geräten und Gegenständen des täglichen Bedarfs in Haushalt und bäuerli-cher Wirtschaft. Die Funktion eines Gegenstandes und seine Bearbeitungwaren maßgeblich bei der Wahl der Holzsorte und seiner Verzierung durchSchnitzereien, Reliefschnitt, eventuell auch Polychromie.
Aus Reisern, Schilf und Gras ließ sich eine breite Palette von Gegenstän-den anfertigen. Es sind dies universell anwendbare Materialien, derenVerarbeitung zu den geläufigen Kenntnissen besonders der Dorfbewohnergehörte. In feiner Flechttechnik, oft mit anderem Material kombiniert,stellten sie größere und kleinere Körbe her, die in Haushalten auch heutenochgern verwendet werden.
Janá Bumbalová
Tierschellen und Tierglocken aus aller WeltSonderausstellung im Ethnographischen Museum Schloß Kittseevon Mai bis Oktober 1994
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Glocken und Schellen oft syn-onym verwendet; tatsächlich besteht ein Grundunterschied zwischen denBegriffen: Glocken sind meist in Bronze oder Gußeisen gegossen. In derAntike kannte man reine Bronzeglocken. Die Herrscherpferde wurden zumTeil auch mit Silberglocken geschmückt. Der Guß der heutigenTierglocke erfolgt wie bei der Kirchenglocke durch eine Legierung vonKupfer und Zinn. In Afrika und Südostasien findet man auch Glockenaus Holz, Bein und Bambusrohr.