1994, Heft 2
Chronik der Volkskunde
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senschaft einmal mehr gefordert. Denn gerade ihre Pluralität in Tradition,Methode, Wissenschaftlichkeit und Ansatz verleihe der Ethnologie in Euro-pa die Chance, auf kommende Probleme zu reagieren. Damit die Arbeiteffektiver werde, müsse die Vielfalt jedoch gebündelt werden. Er schlugdeshalb vor, auf europäischer Ebene internationale Foren als Anlaufstellezu schaffen. Denkbar seien etwa auch gemeinsame Forschungsvorhabenoder ein Organ für Veröffentlichungen. Chivas Ziel dabei: Trennende Theo-rien und Wissenschaftsideologien abzubauen, um so eine echte ,, ethnologieeuropéaniste“ zu begründen.
Der Kongreẞ in Tours war ein Schritt in diese Richtung. Die Diskussionum die diversen Identitätsmuster jedoch waren für viele Teilnehmerinnenund Teilnehmer so neu nicht mehr. Das Europa der Regionen, die einschnei-denden Veränderungen in Familie und Arbeitswelt und die damit zusammen-hängenden Verlagerungen von Heimat und Identität sind bereits seit einigenJahren Thema in den Kulturwissenschaften sowie in den Medien. DasKolloquium in Tours bot hierzu leider wenig Innovatives. Doch es bleibt zuhoffen, daß dies eine gemeinsame Basis schafft und die angestrebte euro-päische Vernetzung gelingen läßt. Die vielfältigen Möglichkeiten, auf inter-nationaler Ebene Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen zu knüpfen, kön-nen nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dazu trug nicht zuletzt auch dieperfekte Organisation maßgeblich bei. Europa kann sich trotz aller Unter-schiede erfolgreich begegnen. Schließlich wurden zwei deutsche Teilneh-mer mit einer hohen Ehrung ausgezeichnet. Utz Jeggle( Tübingen) undMartin Roth( Dresden) sind seit dem 9.12.1993 als„, confrères" bei derConfrérie de Vouvray aufgenommen und deshalb künftig mit dem Titel,, Messire" anzureden.
Nina Gorgus, Ulrich Hägele
Volkskultur der Slowakei
Sonderausstellung im Ethnographischen Museum Schloß Kittseevon Dezember 1993 bis Juni 1994
Das Slowakische Nationalmuseum in Martin verfügt über eine Samm-lung von 140.000 Objekten, welche seit 1893 zusammengetragen wurden.Davon gehören 90.000 Objekte zur ethnographischen Abteilung und gebenso ein Zeugnis der reichen materiellen und geistigen Volkskultur der Slowa-kei. Diese Ausstellung zeigt eine repräsentative Auswahl von Artefakten,die die breite Skala der dekorativen Gestaltung verschiedener Materialienund den Einsatz vielfältiger Verzierungstechniken dokumentiert.