Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158

Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVIII/ 97

te das Waldbauernmuseum in Gutenstein und zeigte anschließend einige imPrivatbesitz befindliche Villen. Den Abschluß des viertägigen Symposionsbildete eine Exkursion in die Reichenauer Umgebung unter der Führung vonMario Schwarz und die anschließende Besichtigung des Wasserleitungsmu-seums Kaiserbrunn.

Der Tagungsband mit den Niederschriften der Referate soll im Juni 1994erscheinen.

Dorothea Jo. Peter, Birgit Schneider

Ethnologie et Patrimoine en Europe

Identités et appartenances, du local au supranationalSocial Anthropology and Heritage in EuropeThe Sense of Identity and Belonging from the Local to theSupranational Level

Colloque Européen. Centre international de congrès VinciTours, 8. bis 11. Dezember 1993

Vom 8. bis 11. Dezember 1993 trafen sich in Tours an der Loire über 250Ethnologinnen und Ethnologen aus ganz Europa anläßlich eines ersteninternationalen Kolloquiums, zu dem der Conseil du Patrimoine aus Pariseingeladen hatte. Mit dem Thema ,, Ethnologie et Patrimoine en Europe"stand die Tagung in engem Zusammenhang zum Pariser Kongreß der euro-päischen Museumsleute im Februar 1993. Das Kolloquium in Tours disku-tierte in Anknüpfung daran etwa die Rolle des ethnologischen Museums alsTeil eines Systems der Reflexion über Identität und sozialer Zugehörigkeit.Dabei blieben aktuelle politische Probleme wie Xenophobie und Krieg nichtausgespart. Der fortschreitende politische Einigungsprozeß in Westeuropaund der gleichzeitig eskalierende und immer schwieriger durchschaubareKrieg im ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien stelle die Ethnologie, sodie einhellige Meinung der Kongreßteilnehmer, vor eine besondere Heraus-forderung. Gerade am Beispiel der dramatischen Ereignisse in Bosnien, woauch im Namen von Identitäten ein Krieg geführt und Verbrechen begangenwerden, zeige sich der Bezug des Themas zur Gegenwart in einer traurigenund eklatanten Weise.

Die Tagung in Tours verstand Identität schließlich zwischen den zweiPolen von Unterschied und Distinktion sich bewegend: Identität als Kataly-sator, der für die Entwicklung eigener ,, cultures" jenseits des dominantenkulturellen Diskurses verfügbar ist.