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97 (1994) / N.S. 48
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVIII/ 97

Geordnet war die Sammlung- wie die alte Raumbezeichnung bezeugt-nach regionalen und materalbestimmten Gesichtspunkten: Keramik nebenKeramik, Bauchranzen neben Bauchranzen bzw. Schauräume mit Objektenaus Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien; aus Istrien und Dalmatien; undnatürlich aus den Alpenländern. Die damalige Schausammlung bot demBesucher einen Rundgang durch die cisleithanische Reichshälfte der Mon-archie. Sie stellte gewissermaßen eine dreidimensionale Ausgabe des be-rühmten Kronprinzenwerkes ,, Die Österreich- Ungarische Monarchie in

Wort und Bild" dar.

Wie der Raum ,, Bretagne zeigt, barg das Museum aber noch mehr- esbesaẞ Sammlungen aus ganz Europa, bot Einblick in eine ,, EthnographiaEuropaea. Diese Erweiterung verdankte das Museum dem privaten Samm-lerinteresse einzelner Persönlichkeiten. Im Zusammenhang mit der Bretag-ne sei beispielhaft für andere Regionalsammlungen nur der Name Ru-

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dolf Trebitsch genannt.

Rudolf Trebitsch( 1876-1918), Sohn eines reichen Seidenfabrikanten,hatte Medizin studiert, seinen Beruf jedoch nie ausgeübt, sondern sich dankseines väterlichen Vermögens der Anthropologie und Ethnologie verschrie-ben. Er wurde Schüler von Rudolf Pöch und von Michael Haberlandt. 1906unternahm er eine Grönlandexpedition, von der er eine umfangreiche Eski-mosammlung Glossary ::: show glossary-entry mosammlung und wertvolle Tondokumente mitbrachte. Erstere befindetsich heute im Völkerkundemuseum, letzteres im Österreichischen Phono-grammarchiv, Institutionen, mit denen das Österreichische Museum fürVolkskunde seit seiner Gründung in engstem Kontakt steht. Später wandtesich Trebitsch den sprachlichen Restvölkern in Wales, auf Man und inSchottland zu. Und 1911 suchte er nach Spuren der keltischen Tradition inder Bretagne. Das umfangreiche Material, das er von dort mitbrachte,überließ er, neben großzügigen finanziellen Zuwendungen, dem Österrei-chischen Museum für Volkskunde, wo es in dem genannten Raum Aufstel-lung fand. Der Erste Weltkrieg, in dem Trebitsch als Arzt dienen mußte,obwohl er diese Tätigkeit vorher nie ausgeübt hatte, bereitete seinen Reisenund Forschungen ein jähes Ende. Und mit dem Untergang der Monarchiewar auch ihm der Boden unter den Füßen weggezogen, sodaß er am 9.Oktober 1918 seinem Leben ein Ende setzte.

Rudolf Trebitsch hatte für sich keine Zukunft gesehen, das Museum inder Laudongasse aber blieb bestehen. Michael Haberlandt und sein SohnArthur führten es als ein Denkmal der Monarchie weiter. Die beiden For-scher konnten nun an Hand der Sammlungen für Buschan's ,, Völkerkunde"den Band ,, Europa verfassen: Michael Haberlandt den Teil über ,, Dieindogermanischen Völker des Erdteils" und Arthur Haberlandt das umfang-reiche Kapitel über ,, Die volkstümliche Kultur Europas in ihrer geschicht-lichen Entwicklung.