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Paul Hugger
ÖZV XLVIII/ 97
Wissenschaftsdiskussionen und studentischen Unruhen gehörten unddenen in der Rückblende eine fundamentalistische Tendenz nichtabgesprochen werden kann, wurden Gräben aufgerissen und Wundengeschlagen, die in der deutschen Volkskunde nur langsam heilensollten.
Die Schweiz wurde von den Neuerungen in unterschiedlicherWeise berührt. Arnold Niederer, der seit 1964 in Zürich als Nachfolgervon Weiss lehrte, verfolgte die Bewegung mit wachem Interesse,nahm an wichtigen deutschen Debatten teil und brachte die neuenIdeen in gemäßigter Form in sein Unterrichtsprogramm ein. DieStoẞrichtung der Gedanken entsprach seiner politischen Orientie-rung. Seine Schüler bearbeiteten vermehrt sozialwissenschaftlicheund gegenwartsbezogene Themen wie den populären Wandschmuck,die heutige Rolle der Verwandtschaft usw. Niederer selbst griff The-men auf, die bisher in der Volkskunde nicht beachtet worden waren,wie z. B. die non- verbale Kommunikation und das Fremdarbeiterpro-blem. Daneben aber und das ist wohl typisch für den Sinn desSchweizers für Kompromisse – förderte er auch aktiv die traditionel-len Arbeiten innerhalb der Schweizerischen Volkskunde, wie etwa dasAtlaswerk oder die Bauernhausforschung. Doch verengte sich inseiner Optik- und das war lange Zeit auch die Lesart des ZürcherUniversitätsbetriebs das volkskundliche Forschungsfeld einseitigauf Unterschichten als ,, Ort, wo die anonymen Vielen ihre Alltags-welt praktisch und symbolisch gestalten“.5
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Basel mit Hans Trümpy, der seit 1962 Extraordinarius, seit 1965Ordinarius war, hielt Distanz zu solchen modernistischen Bestrebun-gen. Schon von seiner Ausbildung als klassischer Philologe her lagenTrümpy sozialkritische und soziologische Fragestellungen in derVolkskunde wenig; er blieb einer mit wissenschaftlicher Akribiebetriebenen historisch- philologischen Fachtradition verpflichtet. Indieser Perspektive lagen seine Untersuchungen über Schweizer Ka-lender, über Anstandsbücher, die Bemühungen auch um ein volks-kundliches Korrespondentennetz, die schließlich fehlschlugen. In dergleichen Richtung bewegten sich auch viele Arbeiten seiner Schüleretwa über Volkskalender und Chronistik.
In der Folge drifteten Lehre und Forschung an den SchweizerUniversitäten auseinander. Ja, es kann nicht darüber hinweggesehen
5 Kultur im Erdgeschoß. Der Alltag aus der neuen Sicht des Volkskundlers. In:,, Schweizer Monatshefte“ 55( 1975), S. 466.