Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
82
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Ländlicher Stolz

z.B. Oberösterreichische Landmöbel

Mensch und Gesellschaft

Hochzeitsszene

Nichts hat das Bild von Volkskunst mehrgeformt als die sogenannten Bauernmöbel, wie sieeigentlich erst seit der Mitte des 18. Jahrhundertsdem Wohnstil einer ländlichen Elite entsprochenhaben. Die Krise der Ständeordnung und das all-mähliche Durchsickern aufgeklärter Ideen mit denLandwirtschaftsreformen brachte dem Bauernstandeinen ungekannten Aufschwung. Die Fertigkeitenländlicher Handwerker ließen ihn teilhaben am Lebens-gefühl barocken Reichtums.

In dieser Phase des kulturellen Wandelsentwickelten sich auch erstmals deutliche regionaleStilunterschiede. In der oberösterreichischen Kern-region, wo sich die verfeinerte Lebensweise auch imAusbau einer zweiten, im Obergeschoß liegenden Stu-be niederschlug, entwickelten Tischlermaler ihrentypischen farbenfrohen Malstil. Stattliche Schrän-ke und Betten mit dekorativen Aufsätzen lösten dieälteren Möbelformen ab. Ein Einfluß der Klöster undStifte in Formgebung und Motivwahl ist dabei unüber-sehbar.

Als Teil der Brautausstattung waren dieseMöbel von vornherein auf Repräsentation angelegt.Sie bildeten das Mobiliar der sogenannten guten Stu-be und blieben dort, bis mit der nächsten Generationneue Stücke ins Haus kamen. Die gemalten Szenenvon Hochzeitsfesten entsprechen dieser Lebensweisedes demonstrativen Wohlstands.

Detail von einem Aufsatzbett, Urban HuemerAigen bei Offenhausen, Oberösterreich, dat. 1781