Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
76
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Detfita#

Die ständische Kultur

Mensch und Gesellschaft

Schachspiel

Die Objekte einer historischen Volkskunst-sammlung entstammen zum größten Teil der feuda-len Ordnung und ihrem Übergang in die moderne Klas-sengesellschaft. Sie sind nicht nur Produkte derGesellschaftsverhältnisse, sondern sie spiegeln auchderen Wahrnehmung und Wirklichkeit. Wenn dieständische Ordnung selbst zum Thema wird, dann meistals Ideal gottgewollter Ordnung, in der die einzelnenStände ihren festen Platz und ihre feste Bestimmunghaben: die Untertanen genauso wie die weltliche undgeistliche Herrschaft.

Die Überlieferungslage für die einzelnenStände ist sehr unterschiedlich, sie zeichnet schrägeBilder der gesellschaftlichen Verhältnisse und reichtbis hin zur scheinbaren Geschichtslosigkeit: Sind dieunteren Schichten Gegenstand populärer Bildwerke,dann meist aus der Sicht der anderen". Gegenständedes Alltags Privilegierter haben sich weit mehr undbesser erhalten als solche breiter Schichten.

Neben Ständespott und Standesdünkelprägten aber auch christliche Karitas die Begegnungder Stände untereinander: In Wien etwa wusch dasKaiserpaar bis zum Ende der Monarchie am Gründon-nerstag zwölf alten Männern und Frauen die Füße. DasWeltbild verband mit den patriarchalen PrivilegienRechte und Pflichten, auch wenn sich diese aufGesten und Symbole beschränkten.

von Rupert Grießl für Graf Hans Wilczek

dat. 1898