Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
70
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Mensch und Geschichte

Völker und Bilder

Wie die populäre Erfahrung von Geschich-te stützt sich auch das Verständnis fremder Völker undKulturen auf Bilder. Sie sind bildlicher Niederschlagüberlieferter und mehr oder weniger beharrlich ent-wickelter Vorstellungen: von den Eigenarten der,, Anderen" und von der Gültigkeit der eigenen Kultur.Besonders Kriege- als eine leidvolle Form des Kultur-kontakts- formten die Stereotypen der europäischenVölker.

Auch auf dem Boden der ehemaligen öster-reichisch- ungarischen Monarchie war die Vorstellungverbreitet, daß die einzelnen Nationen bestimmte ty-pische Eigenschaften besäßen, durch welche sie sichvon ihren Nachbarn unterschieden. Allerdings konntebis zum 19. Jahrhundert der Begriff der Nation durch-aus auch auf eine kleine, sprachlich nicht gesonderteGruppe innerhalb des größeren Staatsganzen ange-wandt werden.

Erst die Krise des Vielvölkerstaates führtezur Entdeckung der Ethnizität. Sie wurde Gegenstandwissenschaftlicher Beschäftigung und begann, auf dasöffentliche Bild der nationalen Volkskulturen rück-zuwirken. Darauf beruhte letztlich nicht nur der folk-loristische Anstrich des Staatsbildes in den letztenJahrzehnten der Donaumonarchie, sondern auch derGründungsgedanke des Museums für Volkskunde mitseinen vergleichenden Kollektionen aus den österrei-chischen Kronländern.

Mechanisches Welttheater

Praterbuden- Schau- und SpielwerkWien, um 1850