Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
63
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Die Ordnung des Daseins

Uhrständer

Hinter der Volkskultur der Vormoderne, hin-ter der alltäglichen Praxis des Lebens und Arbeitens,stand ein Denken, das weitgehend einer agrarischenWelt angehörte. Es bestimmte nicht nur den Glaubenund das Tun der bäuerlichen Bevölkerung, sondern warselbst dem Kosmos städtischen und adeligen Lebenszugrundegelegt.

Daß dem Menschen nur beschränkte Instru-mente in die Hand gegeben seien, den Lauf der Dingezu beeinflussen, entsprach dem religiösen Weltbild.Diesem gehorchte auch die Naturauffassung: Der Na-tur als Teil der Schöpfung folgte das ländliche Jahr,und die Personifizierung von Jahreszeiten und Mona-ten oder die Darstellung der Gestirne standen nichtim Gegensatz zur christlichen Lehre und Bilderwelt.,, In Gottes Hand" lagen Jahr und Tag, Leben und Ar-beiten.

Als Spiegelung der göttlichen Ordnungwurde das irdische Dasein aufgefaßt, und die bibli-sche Geschichte war im Alltag stets präsent. Sie hielt,bei den Stammeltern Adam und Eva beginnend, fürden gesamten Lebenslauf passende Gleichnisse undMotive bereit. Wie die christlichen Glaubenssätze unddie Viten der Heiligen zielte ihre Darstellung auf eingottgefälliges Leben im Sinne des Evangeliums.

mit Chronos, hausindustrielles ErzeugnisGrödnertal, Südtirol, Ende 18. Jahrhundert

Mythos