Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
60
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Häusliches Wirtschaften

Mensch und Wirtschaft

Krauthobel

Ostösterreich,Anfang 20. Jahrhundert

Die Ernährungsgewohnheiten der Agrarge-sellschaft beruhten in überwiegendem Maße aufSelbstversorgung. Die Natur bestimmte wechselndePerioden von Not und Überfluß, der Mensch reagiertedarauf mit der Einführung von Fasten- und Festzei-ten. Der Zeit der Ernte im Herbst und der Schlachtungim Winter folgten Monate der Knappheit im Frühjahr.Die Lagerung und Konservierung von Lebensmittelnwar somit eine Existenzfrage, für welche viel Zeit undGeschick aufgewendet werden mußte.

Selbst in den Städten, vor allem aber aufdem Lande fand die Herstellung und Verarbeitung vonLebensmitteln weitgehend im eigenen Haus statt. DieAusstattungen historischer Küchen spiegeln etwas vonder Bedeutung einer solchen Produktions- und Kon-sumationseinheit wieder.

Hier wurde nicht nur gekocht oder zube-reitet, wie dies in den kleinen Küchen der markt-abhängigen Industriegesellschaft üblich geworden ist,sondern hier wurde auch Kleintier geschlachtet, ge-räuchert, Butter gerührt oder Schmalz ausgelassen. Dievorindustrielle Hauswirtschaft kannte ein komplexesSystem von Praktiken und Utensilien, um die unter-schiedlichen Lebensmittel haltbar zu machen. Vieledieser Arbeitsgänge sind erst durch die Modernisie-rung überflüssig geworden.