Wege, Waren, Märkte
Bierwagen
Bastlerarbeit, SpielzeugWien, 1929
Nirgendwo tritt der Prozeß der Moderni-sierung so augenscheinlich zutage wie in der Revolu-tion des Wirtschaftssystems. Die Verhältnisse vonRaum, Zeit, Kapital und Ware haben sich dabei grund-legend gewandelt und das Alltagsleben neuen Gesetz-mäßigkeiten unterworfen. Mit der Etablierung moder-ner Transportmittel, welche die Kommunikation umein Vielfaches beschleunigten, rückten die Dörfernäher an die Zentren, und die Städte selbst erlebteneinen ungekannten Aufschwung.
Waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts dieStraßen noch von Hausierhändlern und stolzen Fuhr-leuten bevölkert, welche die Güter über Land schaff-ten und zu den Konsumenten brachten, so sorgtegegen Ende des Jahrhunderts die Eisenbahn für eineNeuorganisation der Landkarte: Der kulturelle Aus-tausch insgesamt hatte begonnen, sich zu beschleu-nigen.
Dennoch lebten im ländlichen Raum Kul-turmuster des älteren Wirtschaftens bis in unser Jahr-hundert fort. Dazu gehörten die Orientierung nachMarktorten an Marktterminen ebenso wie die zögerndeAkzeptanz modernen Handels. Noch in den vertrau-ten Gemischtwarenhandlungen war beispielsweise das„ Anschreibenlassen" so üblich wie die Bezahlung mitbarem Geld.
Mensch und Wirtschaft