Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
50
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Regionaler Stilwandel

Montafoner Stube

Mensch und Umwelt

Wandvertäfelung

Das vorarlbergische Montafon ist einesjener Täler Westösterreichs, in denen sich ein un-verkennbarer Stil ländlicher Wohnkultur entwickelnkonnte. Der relative Wohlstand, welcher dem Tal im

18. Jahrhundert kurzfristig vergönnt war, hing mitden letztlich schwierigen Voraussetzungen im Talselbst zusammen: Sie förderten jene Mobilität undkulturelle Durchlässigkeit, die dem Tal ihr Geprägegaben und früh Denk- und Handlungsweisen ande-rer Milieus in die bäuerliche Welt brachten.

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Länger als in anderen Landschaften Öster-reichs blieb man in Vorarlberg den traditionellenBlankholzmöbeln verpflichtet: Bemalungen- inzurückhaltender Farbgebung bildeten stets dieAusnahme. Stattdessen erhielt der Regionalstil durchdie wechselnde und oft gleichzeitige Kombinationvon Elementen der Renaissance, des Barock, Rokokound des Klassizismus eine eigene Note.

Das Zusammenspiel der Materialqualitä-ten von verschiedenen Hölzern mit der eingelegtenSchieferplatte bei den achteckigen Tischen oder dieAufwertung der Täfelung durch zeittypische Füllun-gen sowie die festeingebauten Stubenkredenzen sindMerkmale dieses Stils. In ihm eine frühe Form derVerbürgerlichung agrarisch bestimmter Regional-kultur zu erkennen, liegt nahe.

Ausschnitt, Montafon, Vorarlberg, dat. 1807