Epochenprägung und Kulturform
Oberinntaler Stube
Mensch und Umwelt
Oberinntaler Stube
wohl Pettneu, Tirol, dat. 1700
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Die Behausung- als gestaltete Umwelt desMenschen ist der Ort, an dem sich Wohnkultur ent-wickeln konnte. Voraussetzung dafür war die Aus-bildung der Stube als abgeschlossener und rauchlosbeheizbarer Raum innerhalb des Hauses. Dies geschahwohl zuerst im oberdeutschen Raum- mit Hilfe desHinter- laderofens, welcher die epochenprägende Be-deutung der Stube begründete.
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In Tirol, das wie die angrenzenden Regio-nen vom wirtschaftlichen und kulturellen AufschwungSüddeutschlands nach dem Dreißigjährigen Krieg pro-fitiert hatte, erreichte die Stube früh einen hohenEntwicklungsstand: mit Wand- und Deckengetäfelsowie dem entsprechenden Mobiliar. Dank ihrer imGrunde unveränderten Struktur, der diagonalen An-ordnung von Tisch und Ofen, blieb diese Wohnformhier bis weit ins 19. Jahrhundert hinein maßgeblich.Es nimmt daher nicht wunder, daß den Stuben alsInbegriff ländlicher Behaglichkeit auch von allemAnfang an das Interesse volkskundlicher Forschungund Museumsarbeit galt.
Das seit 1914 im Österreichischen Museumfür Volkskunde befindliche Getäfel dieser Stube von1700 stammt vermutlich aus Pettneu am Arlberg. Dortließen jedenfalls laut Eintragung in den örtlichen Kir-chenbüchern die am Türstock verewigten Eheleute, lohanns Lechleitner vnd Magdalena Prantaverin' am11. April 1698 ihren Sohn Johannes Franciscus taufen.