Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
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1995, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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gewinnen. Wann wurde was geschrieben, wann wiedergedruckt? MancheTexte mögen noch ins vorige Jahrhundert zurückreichen, doch sind siemodernisiert und überarbeitet.

Doch bringt diese Schrift bei allen Mängeln Informationen, die uns bishergefehlt haben.

Felix Karlinger

DEHNERT, Walter, Fest und Brauch im Film. Der volkskundliche Filmals wissenschaftliches Dokumentationsmittel. Eine Analyse. 2 Teile, Mar-burg 1994(= Arbeitskreis Volkskunde und Kulturwissenschaften, Bd. 2 und 3),311433 Seiten, zahlr. Abb.

Die vorliegende Arbeit, eine 1990/91 abgeschlossene und noch von der1993 verstorbenen ,, Altmeisterin" des volkskundlich- kulturwissenschaftli-chen Films, Ingeborg Weber- Kellermann, betreute Dissertation, stellt daseinmal vorwegeine bewundernswerte Leistung dar. Wer sich jemals mitFilmprotokollen oder gar mit ungleich eingehenderen Filmanalysen be-schäftigt hat, der kann ermessen, wie zeitaufwendig allein die an Präzisionwohl kaum zu übertreffenden und für die Zukunft wegweisenden Analysenvon 13 Brauchfilmen aus der Zeit zwischen 1937 und 1983 gewesen seinmüssen, die in Band 2 vorgelegt werden. Dieser enthält auch noch einedetaillierte Dokumentation von 22 teilweise unveröffentlichten und vor1945 gedrehten Filmen dieses Genres, ergänzt um eine kürzere Beschrei-bung bzw. Auflistung von 37 nach 1945 produzierten filmischen Brauchdo-kumentationen, angereichert um Serien von Standbildern, die einen visuel-len Eindruck des Analysierten vermitteln.

Der Übertitel der Arbeit und die ausgewählten Filme ließen nun vermuten,daß es in den beiden Bänden ausschließlich um ,, Fest und Brauch ginge- demist nicht so. In Teil 1 behandelt der Autor eingangs die Anfänge der( wissen-schaftlichen) Kinematographie, und im Unterkapitel ,, Begriffe und Traditio-nen" setzt er sich mit Definitionen( Kultur-, Lehr- und Dokumentarfilm) sowiemit dem Beginn dokumentarischer Filmarbeit( Robert Flaherty, Dzige Vertov,John Grierson) auseinander. Der Hauptteil ,,, Volkskunde und Film", schildertdie bislang weitgehend unbekannten frühen Versuche volkskundlicher Filmar-beit in den 20er Jahren, ihre Fortsetzung und Intensivierung im ,, Dritten Reich"sowie Personen und Institutionen, die sich nach 1945 um die Etablierung desvolkskundlichen Films als den Kanon erweiternde Kategorie bemüht haben,erweitert um einen Blick nach Österreich und in die Schweiz,

Die Zusammenstellung ist nicht nur faktenreich, sondern vor allem film-analytisch- kritisch: So werden, um nur zwei Beispiele zu nennen, die