Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
489
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1995, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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RASMUSSEN, Holger, To færøske gårdanlæg- Dúvugarðar i Saksun ogbylingen Heimi í húsi Koltur( Zwei färöische Gehöftanlagen: ,, Duegår-den" in Saksun und der Einzelhof auf Koltur). Det Kongelige DanskeVidenskabernes Selskab;(= Historisk- filosofiske Skrifter 16). Copenhagen,Commissioner Munksgaard, 1992, 59 Seiten, 53 Abb. im Anhang( engl.Zusammenfassung).

Für die skandinavische Siedlungs- und Hausforschung sind die nordat-lantischen Inseln der Färöer, Island und auch Grönland wichtige Außenpo-sitionen, die sowohl besiedlungsgeschichtlich wie auch ethnologisch durchihre extreme klimatische und geographische Lage und ihre geschichtlicheVergangenheit auf ein ganz besonderes Interesse stoßen. Zugleich aber wirdman diese nordatlantische Inseltwelt vermutlich zu den eigenartigsten Kul-turlandschaften unseres Kontinentes rechnen können. Ihre wissenschaftli-che Erschließung muß daher auch für den Binneneuropäer durch ihre eigen-ständige und über ein Jahrtausend geprägte Kulturgeschichte und nichtzuletzt durch ihre gewachsene Siedlungswelt auf bergigen, baumlosen In-seln mit zahllosen Buchten und Fjorden, wie sich immer mehr zeigt, vongroßem historischem Vergleichswert sein.

In jüngster Zeit haben namentlich die dänischen Forscher Holger Ras-mussen und Bjarne Stoklund( Kopenhagen), anknüpfend an die älterenForschergenerationen, wesentliche neue Erkenntnisse durch ihre Forschun-gen über die Lebens- und Hausbauverhältnisse auf den Färöerinseln erar-beiten können; sie wurden dazu nicht zuletzt durch den Aufbau von Haus-bauten der Färöer im großen dänischen Freilandmuseum zu Sorgenfri beiKopenhagen angeregt.

Auf den Färöerinseln wird zu Beginn des 9. Jahrhunderts zunächst irischeBevölkerung erwähnt, die jedoch bald darauf von norwegischen Wikingernverdrängt wurde. Schon im Jahre 1035 kamen so die 24 vulkanischenFelseninseln, von denen neuzeitlich noch 17 bewohnt sind, an Norwegenund 1380 zusammen mit Norwegen an das Königreich Dänemark, bei demsie auch seit der neuerlichen Trennung beider Staaten von 1814 verblieben.Ihre kahle Moränendecke über mächtigen Basalt- und Tuffschichten ist mitGras und Heide überzogen und ermöglicht einen bescheidenen Landbau,wobei Schafe und Pferde wegen des milden, aber stürmischen und regenrei-chen ozeanischen Klimas das ganze Jahr über auf Weide bleiben.

Ähnlich wie auf Island haben hier die Siedler aus Westnorwegen an einembis in unser Jahrhundert vorherrschenden, von wallartigen Steinmauernumgebenen und mit Grassoden gedeckten Haustyp festgehalten, der mitseinem Kernraum noch deutlich an die altnordische ,, stofa erinnert unddessen im Lauf der Jahrhunderte erfolgte Erweiterung in seiner Bau-, Raum-und auch Sozialstruktur ein überaus eindrucksvolles Bild letztlich auch vonder Agrar- und Wirtschaftsgeschichte dieser Inseln bietet.