Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLIX/ 98

Zum Gedenken an Hans Schuhladen( 1946-1995)

Am 28. August 1995 starb Hans Schuhladen in München. Eine Gehirn-blutung, die er zwei Tage nach der Geburt seines ersten Kindes erlitt, warfür ihn tödlich. Das Zusammenwachsen zu einer Familie, das er sich so sehrwünschte, erlebte er nicht mehr.

Sein plötzlicher Tod riß ihn mitten aus seiner Arbeit am Institut fürVolkskunde der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Baye-rischen Akademie der Wissenschaften und aus der Arbeit am BayerischenJahrbuch für Volkskunde.

Hans Schuhladen wurde am 28. Juni 1946 in Reischach, Kreis Altötting,als viertes von sechs Kindern geboren. 1950 übersiedelte er mit den Elternnach Feldheim, Kreis Neuburg an der Donau, wo er von 1952-1958 dieVolksschule besuchte. Im privaten Progymnasium der Kapuziner in Dillin-gen wurde er auf das Gymnasium vorbereitet und schaffte damit die Auf-nahmsprüfung in die 4. Klasse des Humanistischen Gymnasiums. Am Jo-hann- Michael- Saiber Gymnasium in Dillingen legte er 1966 die Reifeprü-fung ab und begann im Wintersemester 1966/67 mit dem Studium vonDeutsch und Latein in Würzburg, das er für die Ableistung des Grundwehr-dienstes unterbrechen mußte. Ein Auswärtssemester führte ihn 1970 nachWien. 1973 schloß er sein Studium in Würzburg mit dem Staatsexamen inDeutsch und Latein ab. Im Wintersemester 1973/74 begann Hans Schuhla-den in München bei Leopold Kretzenbacher mit dem Studium der Volkskun-de und promovierte 1977 bei Helge Gerndt mit der Dissertation ,, Beiträgezur Struktur, Funktion und Genese der Nikolausspiele". Im Anschluß warHans Schuhladen sechs Jahre Assistent bei Helge Gerndt am Institut fürdeutsche vergleichende Volkskunde der Universität München. Nach einemZwischenspiel als Lehrer für Deutsch und Latein in Rosenheim kehrte er1989 zur Volkskunde zurück und trat am 1. September 1989 seine Stelle alswissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Volkskunde der Kommission fürbayerische Landesgeschichte an, jenem Institut, das aufs engste mit dem NamenHans Mosers, des von ihm verehrten Wissenschaftlers, verbunden ist.

Hans Moser war für Hans Schuhladen das große Vorbild und in der Traditionder sogenannten ,, Münchner Schule" sah auch Hans Schuhladen seine wissen-schaftliche Arbeit. So waren Schuhladens Untersuchungen zum Volksschau-spiel und zu den Bräuchen sowohl historisch als auch gegenwartsbezogenangelegt. Seine Forschungen führten ihn auch nach Tirol, nach Salzburg und indie Steiermark. In Beiträgen, Vorträgen und anschließenden Diskussionenversuchte er, spekulative Deutungsmuster von Bräuchen zu entlarven, nichtbesserwisserisch, sondern auf sein Gegenüber, oft die Brauchträger, eingehend,wie sich dies z.B. beim Perchtenseminar in Hohenwerfen 1992 zeigte.

Seine Arbeiten zum Volksschaupiel ,, Die Nikolausspiele aus den Nach-lässen von Ludwig von Hörmann und Leopold Pirkl( 1976), Vigil Raber

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