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Chronik der Volkskunde
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deutung aber wurden seine eigenen Sammelbände ,, Ethnographica Carpa-thica“( Budapest, 1966) ,,, Ethnographica Carpatho- Balcanica“( Budapest,1979) und ,, A Rostaforgató asszony"( Budapest, 1989), dieser letztere Bandübrigens den Österreichern Leopold Kretzenbacher und Oskar Moser zuge-eignet. In allen seinen Studien betrachtet Béla Gunda die Volkskulturennicht als statische Komplexe, sondern ging vom Grundprinzip des steten undunablässigen Wandels der Kulturen durch ökonomische, soziale, historischeund geographische Faktoren aus. Dabei nahm er ständig auch Bedacht aufdie Erkenntnisse der Soziologie, Linguistik und Archäologie. Im Doppel-band seines Debreziner Jahrbuches XIII/ XIV erschien 1971 die Festschrift,, Studia Ethnographica et folkloristica in honorem Béla Gunda", die dieweltweiten Beziehungen dieses großen Gelehrten sichtbar werden lassen.Hier können nur seine Verbindungen auch mit Österreich und zu denUniversitäten Graz und Wien herausgehoben werden, die zugleich in denEhrungen und Ernennungen zum Ehrenmitglied der AnthropologischenGesellschaft in Wien( Wien, 1970) und zum korrespondierenden Mitgliedunseres Vereins für Volkskunde( Wien, 1985) ihren Niederschlag fanden. ImJahre 1978 erhielt Gunda den angesehenen Herderpreis in Wien. Alles dasbezeugt zusammen mit vielen Ehrungen und Auszeichnungen sonst inEuropa die außergewöhnliche fachliche Vielseitigkeit Béla Gundas, ange-fangen von elementaren Grundlagenforschungen bis zu dessen theoreti-schen Ansätzen in Fragen des Funktionalismus, der Akkulturation und derkulturellen Integration und Wanderung. Er war also nicht nur ein entschei-dender Anreger und Förderer seines Faches in Ungarn, sondern betrieb undpublizierte seine Forschungsergebnisse in verschiedenen Fachorganen Eu-ropas und war so Mitarbeiter an zahlreichen österreichischen, deutschen,französischen, italienischen, englischen, amerikanischen und schwedischenFachzeitschriften. Mit ihm verliert indessen nicht nur die ungarische, son-dern vor allem auch die Europäische Ethnologie und die allgemeine ethno-logische Forschung einen erfahrenen Fachmann und zweifellos einen derbesten Kenner in den Volksüberlieferungen der verschiedenen Völker desKarpatenraumes von Polen bis nach Bulgarien.
Oskar Moser
Richard Wolfram 1901- 1995
Der emeritierte Ordinarius für Volkskunde an der Wiener Universität,Richard Wolfram, ist am 30. Mai 1995, 94- jährig, in seinem Haus inTraismauer ruhig verstorben. Im engen Kreis ist er auf dem Friedhof derStadt, die ihn 1991 zum Ehrenbürger ernannt hatte, im Familiengrab bestat-tet worden. Eine Abordnung des Instituts für Volkskunde der Universität