Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
479
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1995, Heft 4

Chronik der Volkskunde

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Béla Gunda( 1911- 1994)

Spät erst erreichte uns die Nachricht vom Tod dieses bedeutenden For-schers und Experten der ungarischen und europäischen Ethnologie. Profes-sor Dr. Béla Gunda ist am 30. Juli 1994 zu Debrecen verstorben, wo er seit1949 an der Lajos Kossuth Universität lehrte und ein eigenes Institut fürEthnologie begründet hatte, aus dem eine Reihe jüngerer und erfolgreicherForscher Ungarns hervorgegangen ist. Der Verstorbene zählte zu den großenForscherpersönlichkeiten unseres Faches in der Pionierzeit desselben inEuropa und darüber hinaus und hat sich vor allem sprach- und grenzüber-schreitend für die Gemeinsamkeiten in den Volkskulturen und in derenunterschiedlichsten Elementen eingesetzt. Für ihn ging es darum, das Ver-bindende und das gemeinsame Alterbe in den Kulturen der Völker aufzuzei-gen und das ganze weite Spektrum derselben auszuschreiten, angefangenvom Pflanzenbau, Jagd- und Hirtenwesen bis zu den subtilsten Erscheinun-gen des Lebens allenthalben.

Béla Gunda war am 25. Dezember 1911 als Sohn eines Gutsverwaltersin Temesfüves( Komitat Temes) geboren. Seine Eltern übersiedelten späterin das Komitat Békés, wo er die Grundschulen besuchte und von wo aus erdann in Budapest Wirtschaftswissenschaft und mit steigendem Interesse ander Universität Anthropogeographie und Ethnologie studierte. Seine wich-tigsten Lehrer wurden Zsigmond Bátky, Géza Róheim und István Györffy.Er promovierte 1936 summa cum laude und schuf sich als Assistent beiletzterem bereits früh Verbindungen zu Fachleuten im Ausland. Ein schwe-disches Stipendium ermöglichte ihm 1938/39 den ersten Studienaufenthaltin Stockholm, wo er Schüler und Mitarbeiter Sigurd Erixons am NordischenMuseum wurde, mit dem ihn eine lebenslange, fruchtbare Freundschaftverband. Zurückgekehrt habilitierte sich Béla Gunda 1941 und wurde Pri-vatdozent an der Universität Szeged mit dem bezeichnenden Arbeitsthema, Vergleichende Ethnographie, mit besonderer Berücksichtigung der Bal-kan- Völker". Schon 1943 berief man ihn an die siebenbürgische UniversitätKlausenburg( Kolozsvár/ Cluj), wo er als erfahrener Feldforscher mit denÜberlieferungen der Ungarn, Rumänen und Siebenbürger Sachsen und denBergkulturen der Karpaten in Kontakt treten konnte. Nach neuerlichenAufenthalten als Forscher und Professor u.a. in Schweden( 1947/48 und1964) bzw. in Amerika an der Universität in Berkeley( Kalifornien) kehrteer 1949 nach Ungarn zurück, wo er an der Universität Debrecen über dreißigJahre als Hochschullehrer und Institutsleiter wirkte. Seine erfolgreiche undumfassende Tätigkeit für die Volkskunde in Ungarn fand ihren Niederschlagin dem von ihm begründeten, gewichtigen Jahrbuch ,, Műveltség ésHagyomány"( Kultur und Tradition), das auf viele Bände anwuchs und woer selbst und seine Schüler Studien zur materiellen und geistigen VolkskulturUngarns und der Karpatenländer veröffentlicht haben. Von bleibender Be-