1995, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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,, Das Volkslied in Österreich"Zur ,, Prähistorie" des Instituts für Ethnographie und Folkloristikder Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik
Die Brünner Arbeitsstelle des Instituts für Ethnographie und Folkloristikder Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik veranstalteteam 27. April 1995 ein Symposion, das die Entstehung des Arbeitsausschus-ses für das tschechische Lied in Mähren und in Schlesien, den Beginn dermährischen Musikfolkloristik sowie die weitere Entwicklung der folklori-stischen und ethnographischen Forschungen in Mähren und Schlesien zumThema hatte. Die Anfänge des heutigen Brünner Instituts reichen in das Jahr1905 zurück, als der Arbeitsausschuß für das tschechische Lied in Mährenund Schlesien konstituiert wurde. Das Institut änderte im Laufe dieser 90Jahre nicht nur seine Struktur, sondern auch seinen Namen und befindet sichderzeit mit weniger als zehn Mitarbeitern in einem Transformationsprozeßder gesamten Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik.
Zu dieser Veranstaltung waren nicht nur die aktiven Brünner Kollegen,sondern auch ehemalige und externe Mitarbeiter des Instituts, Fachleute derMasaryk- Universität, des Tschechischen Rundfunks sowie die Kollegen ausPreßburg und der Prager Arbeitsstelle des Instituts eingeladen. Die Referentenbehandelten in ihren Beiträgen die ganze Geschichte und Entwicklung dieserInstitution, und auch in den Diskussionsbeiträgen ging es um die Vergangenheitund die Gegenwart der Ethnographie und Folkloristik, Disziplinen, die in Brünnohne Unterbrechung betrieben wurden, was auch die Teilnahme der Studentendes Instituts für Europäische Ethnologie der Masaryk- Universität bewies.
Olga Hrabalová referierte, wie Leoš Janáček 1902 von der MährischenStatthalterei in einem Brief um die Zusammenarbeit zur Vorbereitung einerVolksliederedition ersucht wurde, weiters über Janáčeks Tätigkeit im Ar-beitsausschuẞ und die ersten Sammelaktionen. Daran anknüpfend sprachMartina Pavlicová über die Tätigkeit des Instituts in der Zwischenkriegszeit.Zdenka Jelínková wertete die Erforschung des Volkstanzes in den vergan-genen fünfzig Jahren aus. Jaromír Nečas erinnerte sich launig an das Auf-sammeln von Volksliedern in den fünfziger und sechziger Jahren im Valašs-ko- Gebiet, in Schlesien und in Hultschin. Er und andere gedachten auchvieler bereits verstorbener Persönlichkeiten des Faches wie Alois Gregor,Karel Vetterl, Jaromír Gelnar und Oldřich Sirovátka.
Ab dem Jahr 1953 wurde an der Brünner Arbeitsstelle des Instituts fürEthnographie und Folkloristik, also bereits auf akademischem Boden, außer derEthnomusikologie auch die Erforschung der Volksdichtung betrieben. Über dieMethoden der Feldforschung und der Katalogisierung sprach Marta Šrámková,die der Öffentlichkeit durch die Sagen- und Märchenbücher bekannt ist,welche sie gemeinsam mit Oldřich Sirovátka herausgegeben hat.