Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLIX/ 98

Tagung der Deutschsprachigen Ethnologinnen und Ethnologenvom 25. bis 29. September in Wien

Jedes zweite Jahre findet die traditionsreiche gemeinsame Tagung der,, Anthropologischen Gesellschaft Wien", der ,, Berliner Gesellschaft fürAnthropologie, Ethnologie und Urgeschichte und der ,, Deutschen Gesell-schaft für Völkerkunde an einem Universitätsort im deutschsprachigenRaum statt. Die Anfänge dieses gemeinsamen Gedankenaustausches datie-ren vom Ende des vorigen Jahrhunderts. Für 1995 wurde nach einemIntervall von 30 Jahren wieder Wien als Tagungsort gewählt; 1965 richtetendie Professoren Walter Hirschberg( Präsident der Anthropologischen Ge-sellschaft Wien) und Josef Haekel( Vorstand des Institutes) die Konferenzaus. Aufgrund des gemeinsamen Antrages des Institutes für VölkerkundeWien( Vorstand Prof. Walter Dostal) und der Anthropologischen Gesell-schaft Wien( Präsident Prof. Karl R. Wernhart) bei dem Treffen in Münchenvor sechs Jahren, wurde Wien um die Ausrichtung der Tagung im September1995 ersucht und mit den Vorbereitungen beauftragt. Als Veranstaltungsortwählte man das Neue Institutsgebäude der Universität Wien, weil es einer-seits über eine gute und moderne technologische Infrastruktur verfügt,andererseits sich das Institut für Völkerkunde im selben Gebäude befindet.Die beiden veranstaltenden Institutionen konnten gemeinsam mit dem Mu-seum für Völkerkunde Wien( Direktor Hofrat Dr. Peter Kann) mehr als 600Teilnehmer begrüßen; eigentlich rechneten die Veranstalter nur mit halb sovielen Teilnehmern, aber die aktuelle inhaltliche Thematik und die vonlanger Hand gut vorbereitete Organisation ließen die Teilnehmerzahl hin-aufschnellen. Erstmals nahm die ,, Schweizerische Ethnologische Gesell-schaft( Société Suisse d'Ethnologie) als Mitveranstalter offiziell an dergemeinsamen Tagung teil, was eine inhaltliche und institutionelle Bereiche-rung darstellte. Damit konnte der ethnologische Forschungsbereich desgesamten deutschsprachigen Raumes erfaßt werden.

Als Generalthema wurde von den Wiener Kolleginnen und Kollegen,, Ethnien- Kulturen Identität vorgeschlagen; ein Schwerpunkt, der diegegenwärtig diskutierten wissenschaftstheoretischen wie thematischen In-halte aktueller, konkreter und angewandter Fragestellungen miteinschließt.Kulturelles Selbstverständnis ist Voraussetzung zur Etablierung von Identi-tät, die für Ethnien und Kulturen zum Überleben im rasanten Akkulturati-onsprozeß so notwendig ist. ,, Ethnien Kulturen Identität ist gleichsamein Programm für den Ethnologen, das aber nicht in der Theorie steckenbleiben darf, sondern in ein gesellschaftspolitisches Engagement umzuset-zen ist. Das weltweit vermehrte Aufkommen von Nationalismen macht dieVerständigung und den Dialog der Gesellschaften untereinander so schwie-rig. Die Ethnologin, der Ethnologe muß als Vermittler zwischen den Kultu-