Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
460
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLIX/ 98, Wien 1995, 460- 485

Chronik der Volkskunde

Wie kommt Josephine Baker in ,, Schönes Österreich"?Eindrücke von der Ausstellung Schönes Österreich imÖsterreichischen Museum für Volkskunde,

26.10.1995 bis 25.2.1996 und zum gleichnamigen Katalog

Mit dem Thema Heimatschutz und Heimatbewegung wird im Österrei-chischen Museum für Volkskunde ein Thema aufgegriffen, das seit langemein Desiderat volkskundlicher Forschung ist. Bei der anerkannt engen Ver-bindung von Heimatbewegung und( angewandter) Volkskunde in den zwan-ziger und dreißiger Jahren kann es nur verwundern, daß bis jetzt so wenigdazu gearbeitet wurde. Reinhard Johler, Herbert Nikitsch und BernhardTschofen haben nicht nur dazu geforscht, sondern ihre Ergebnisse in Formeiner Ausstellung unmittelbar an die Öffentlichkeit zurückgegeben. Unddies, wie im folgenden zu zeigen sein wird, in sehr überzeugender Weise.Die zur Zeit im ersten Stock des Österreichischen Museums für Volkskundein Wien zu sehende Ausstellung zur Bedeutung der Heimatschutzbewegungin der österreichischen Kultur- und Alltagsgeschichte des 20. Jahrhundertsist entlang eines Gegensatzpaares konzipiert, das den Heimatschützern undnun auch den Ausstellungsmachern als zentrales Argumentationsmitteldient. Dieses Gegensatzpaar lautet Technik versus Natur, oder, um genauerzu sein, urbanes gegen dörfliches Leben. Damit ist sowohl die Zielsetzungder Heimatschutzbewegung des frühen 20. Jahrhunderts umrissen als auchdie visuelle und akustische Präsentation der Ausstellung selbst. Prospekt undAusstellungskatalog greifen in der Farbgestaltung die ideologieträchtigeFarbkombination Rot- Weiß- Rot( Nikitsch im Katalog, 22) auf und bildenmit einem kleinen Steingutset, das mit Edelweiß und Enzian die floraleAlpenornamentik aufweist, zugleich ein erstes wichtiges Symbol des popu-lären Österreichbildes und ein Produkt industrieller Fertigung ab.

Aber zunächst zu Inhalt und Intention der Ausstellung, wobei am bestendie Gestalter selbst zu Wort kommen: ,,, Schönes Österreich ist eine Aus-stellung über die Entstehung kollektiven Heimatverständnisses in diesemJahrhundert. Sie zeigt, wie aus dem Fundus eines zum, Österreichischendeklarierten Erbes verbindliche Vorstellungen nationaler Eigenart kreiertwurden. Im Dialog von Bildern, Dokumenten und Objekten wird die Über-höhung von Versatzstücken aus Natur, Kultur und Geschichte zu schlagkräf-tigen Symbolen nachgezeichnet, deren Rolle im Alltag öffentlicher Wahr-nehmung heute kaum mehr bewußt ist.( Prospekt) Dieses Programm wird,