Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
351
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1995, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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außer Volksbuch und Puppenspiel kaum in Prosaversionen erzählt wordensind wie ,, Genoveva von Brabant- oder höchstens in sagenhaften Kurz-fassungen existierten.

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Zu jedem dieser Typen bringen die Autoren ein Verzeichnis der Variantensowie bibliographische Nachweise aus Spanien, Portugal und den verschie-denen verwandten Sprachlandschaften Amerikas. Leider sind die deutschenForschungen, Ausgaben und Übersetzungen dabei nicht berücksichtigt,doch ist verständlich, daß man sich auch aus Platzgründen auf den eigenenRaum beschränken mußte.

Eher überrascht, daß einzelne Namen von Autoren wie von Sammlungenin der Bibliographie nicht auftauchen. So fehlt etwa der Name von VicenteGarcia de Diego, der seinerzeit für Spanien eine ähnliche Bedeutung hattewie jener von Leopold Schmidt für Österreich. Garcia war nicht nur Begrün-der der Fachzeitschrift ,, Revista de Dialectologia y Tradiciones Populares",sondern auch des gleichnamigen Instituts in Madrid.

Nach der- zweifellos beschränkten- Kenntnis des Rezensenten besaßdieses Institut in seinem Archiv eine der größten Sammlungen von Märchen-Aufnahmen. Ich verdanke Garcia über 100 Texte daraus. Freilich ist Garcia1977 verstorben; und das Archiv landete zunächst schwer zugänglich aufeinem Dachboden. Ob es heute wieder benutzbar ist, weiß ich nicht.

Sieht man von dieser Lücke ab, ist der Katalog ziemlich vollständig undauch in der 19 Seiten umfassenden Schlußbibliographie fehlt kaum einwichtiges Werk.

Man darf auf die weiteren geplanten Bände gespannt sein, zumal dieVerbindung analytischer und komparativer Gesichtspunkte mit konkretenTextbeispielen einem sehr hilfreiche Materialien in die Hand gibt.

Felix Karlinger

TULINIUS, Torfi H., La ,, Matière du Nord". Sagas légendaires et fictiondans la littérature islandaise en prose du XIIIe siècle. Paris, Presses del'Université de Paris- Sorbonne. 1995. 303 Seiten.

Tulinius, Ordinarius an der Universität Reykjavik, unternimmt es, indiesem Band die verschiedenen Hintergründe der verbreitetsten Sagas Is-lands zu analysieren und methodologisch einzuordnen.

Historische Details dabei von reiner Fiktion zu trennen, ist zweifellosnicht immer leicht, doch läßt der Autor zwischen den gegensätzlichenBereichen einen freien Raum, der einmal mehr aus geschichtlichen Fakten,einmal mehr aus den Vorstellungen jenes Jahrhunderts gespeist wird unddessen Grenzen meist fließend bleiben.