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Chronik der Volkskunde
ÖZV XLIX/ 98
waren nicht die Kinder in erster Linie gemeint, wenn irgendwo ein Jahr-markt- oder Straßenspieler seine Bühne aufbaute. Die Kinder waren einfachdabei, wenn in satirischer Weise Alltäglichkeiten und auch politische Pro-bleme bearbeitet wurden. Traditionelles Puppentheater muß im Kontextder Zeit gesehen werden, mit allen Einflüssen und Geisteshaltungen, umverstanden zu werden.
Wer heute Kasperltheater für Kinder macht, sollte deshalb um die Tradi-tion wissen, den Wurzeln nachspüren und im Auge behalten, was die Figureneigentlich wollten und welchen Beweggründen sie entsprangen.
Das Theater ,, Firlefanz“ spielte eine Fabel und kein Kasperltheater. DieArt, wie die Kinder auf das Stück vorbereitet wurden, erschien mir nicht sehrgut: Durch eine Reihe von inszenierten Mißverständnissen zwischen Spie-lern und Publikum wurde der Anfang unnötig laut und unsensibel hinausge-zogen. Natürlich waren zuwenig Kinder da, der Großteil Erwachsene- vieleKinder hätten die Vorstellung vielleicht besser„, mitgetragen"-, aber auchdann hätte ich mir einen echteren und ehrlicheren Umgang mit dem jungenPublikum gewünscht. Gut war die Bühne in wiesengrünen Tüchern, das Faẞals Behausung der Igelfamilie und das Einbeziehen eines Kindes, als zweitenIgel, beim Wettlauf.
Im Gesamten kann ich für das Symposion sagen, daß es ein gelungenerAnfang war, in diesem internationalen Dialog gemeinsam ein Thema vonverschiedenen Seiten anzugehen: beispielhafte Bühnen und theoretischerHintergrund, eine gute Ergänzung!
Drei so intensive Tage geben sicher jedem/ r, wo er/ sie gerade steht, eineFülle von Anstößen und Möglichkeiten ,, weiterzuarbeiten".
Ein herzlicher Dank den Veranstaltern, Akteuren und Referenten mit derHoffnung auf Fortsetzung.
Julia Schumacher- Fritz
Symposion ,, Kasperl- Teufel- Krokodil"
Resümee
Vom 12. bis 14. Mai trafen sich im Österreichischen Museum für Volks-kunde Puppenspieler, Theaterwissenschaftler und Volkskundler aus zehneuropäischen Staaten zu einem Symposium über traditionelles Puppenthea-terschaffen unter dem Titel ,, Kasperl- Teufel- Krokodil".
Das Symposium wies an eindrucksvollen Beispielen nach, daß sowohlhistorische Spielformen mit Handpuppen und Marionetten wie auch dielustige Figur noch lebendig sind und- anders als in anderen Gattungen der