Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
297
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLIX/ 98, Wien 1995, 297- 303

Mitteilungen

Die ,, Mission du patrimoine ethnologique"

Von Eva Julien- Kausel

Patrimoine ethnologique ist eine Bezeichnung, die sich Übersetzungsver-suchen weitgehend entzieht, wie N. Gorgus und U. Hägele erst kürzlichfeststellten( vgl. ÖZV XLVIII/ 97, 1994, S. 159). Kulturelles Erbe, volks-kundliches Kulturgut und ähnliche Ausdrücke geben nur unvollkommen dieIdee des französischen ,, patrimoine( ethnologique)" wieder, sodaß ich imFolgenden von einer Übersetzung absehen will.

Unter ,, patrimoine ethnologique" versteht man die Alltagskultur, ihrehistorischen Wurzeln und ihren gegenwärtigen Ausdruck in Form vonsozialen Handlungen, kulturellen und symbolischen Erzeugnissen und tra-ditionellen Techniken. Es gilt, diese zu kennen, zu bewahren und zu fördern:unter einem generellen Aspekt als Zeugnis der Vielfalt Frankreichs undspeziell in Hinblick auf die Idee des Denkmalschutzes im weiteren Sinn. DieErforschung dieses kulturellen Erbes soll beispielsweise zu einem besserenVerständnis des traditionellen Handwerks( Bauhandwerk, Textilkunst etc.)beitragen, indem sie sowohl die Formen der Weitergabe des ,, know how,des Wissens und der Handfertigkeit untersucht, als auch die Ausbildung indiesen Techniken fördert, um ihnen so ein Überleben zu ermöglichen.

1980 wurde unter der Ägide des französischen Kulturministeriums einwissenschaftliches Gremium, der Conseil du Patrimoine ethnologique, ge-schaffen, das sich aus etwa 30 Persönlichkeiten aus den Bereichen vonUniversität, Forschung und Kulturarbeit zusammensetzt, und gleichzeitigwurde per Dekret im Rahmen der Direction du Patrimoine( vergleichbaretwa mit dem Amt für Denkmalschutz) die Mission du Patrimoine ethnolo-gique eingerichtet. Innerhalb des Conseil du Patrimoine ethnologique wurdeeine Commission permanente konstituiert, deren Aufgabe es ist, die For-schungsausrichtung zu definieren und die Selektion der zu fördernden Pro-jekte vorzunehmen. Der Vorsitz sowohl des Conseil als auch der Commis-sion permanente lag bis 1989 in den Händen von Isac Chiva. Diese Funk-tionen wurden im Folgenden getrennt und bis 1993 von Marc Augé( Conseil)und Gérard Althabe( Commission) und seither- wiederum vereint- vonDaniel Fabre( Conseil und Commission) wahrgenommen.