Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLIX/ 98

chojos" bzw. der ,, psychokori"( ,, Seelen-Sohn bzw.-Tochter) wird disku-tiert, ebenso wie das Wegschicken zur Fremdarbeit. Bis zur Pubertät wurdenbis zum 20. Jahrhundert kaum geschlechtsspezifische Trennungen vorge-nommen( Mädchen und Buben tragen ein sackartiges Hemd). Der zweiteAbschnitt( S. 60 69) geht auf die Kleidungs- Codes ,, de la longue durée"ein. Bis tief ins 19. Jahrhundert fehlt überhaupt jedes Indiz einer eigenenKinderkleidung. Nach der Revolution von 1821 taucht neben dem sackarti-gen Hemd auch die ,, fustanella auf. Im 19. Jahrhundert und noch bis tiefins 20. Jahrhundert wird für die Kinder über 6 bis 7 Jahren die Matrosenklei-dung üblich( westlicher Einfluß), mit Hosen für die Jungen und Kleidchen fürdie Mädchen. Im bürgerlichen Bereich setzt sich dann das geschlechtsspezi-fische Set der Kinderkleidung durch, was einer sozialen Anerkennung seinerSonderexistenz gleichkommt. Darüber berichtet der 3. Abschnitt( S. 70 99).Die Änderung der Einstellung, die von der Frauenbewegung nicht unabhängigist, ist in den Familienzeitschriften der Zeit zu dokumentieren. Der Abschnittbetrifft vor allem das Babyalter mit der Bänderwicklung, das ,, Hemd, Windelund Haube im Agrarbereich, die Taufkleidung in ihrer Symbolik. Der nächsteAbschnitt( S. 100- 113) geht auf die Geschlechtsdifferenzierung der Pubertätein: die kurzen und langen Hosen( ab 10 bis 12 Jahren) der Jungen, dieKleidersprache der potentiellen Bräute, das Matrosen- Set usw. Eigene Kinder-kleidung setzt sich in den großbürgerlichen Schichten erst gegen Ende des 19.Jahrhunderts durch; in den Unterschichten und der Volkskultur sind ähnlicheEntwicklungen erst Jahrzehnte später zu beobachten.

Die vielschichtige Monographie, deren Ergebnisse sich nicht als vollstän-dig oder endgültig verstehen( Epilog, S. 114-117), wird durch eine ein-schlägige Bibliographie( S. 118- 133), ein Handschriften- und Quellenver-zeichnis( S. 134- 137), eine Informanten- und Studentenliste( S. 138 f.), einAbbildungsverzeichnis( S. 140 f.), einen General- Index( S. 142- 145) undden Bildteil mit 54 Abbildungen auf Tafeln abgeschlossen, vorwiegend alteFamilienphotographien, deren Quellenwert, was Physiognomie, Gesichts-ausdruck, Pose, Arrangement und Kleidung betrifft, besonders hoch zuveranschlagen ist.

Walter Puchner

NITSIAKOS, Vasilis( ed.), Xopòç Kai кoɩvævíα.[ Tanz und Gesell-schaft]. Konitsa, Kulturzentrum der Gemeinde Konitsa, 1994. 156 Seiten, 7Abb. auf Taf.( davon 4 in Farbe), zahlreiche Musiknoten.

Der vom Kulturzentrum der epirotischen Kleinstadt Konitsa an der alba-nischen Grenze herausgegebene, vom Lektor für Volkskunde an der Univer-