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Literatur der Volkskunde
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BADA- TSOMOKU, Konstantina,' EvdvμaτoλoуƖкoi кódiкEÇ THу α-dikns- veavikñs ǹhiкíaç[ Kleidungs- Codes des Kindes- und Jugendal-ters]. Ioannina, U. P. Ioannina, 1993( Beiheft zum Wissenschaftlichen Jahr-buch der Philosophischen Fakultät ,,, Dodone“, Nr. 48). 145 Seiten, 54 Abb.auf Taf.
Die mit dem präzisierenden Nebentitel ,, Ihr sozialhistorisches Äquiva-lent" versehene, auf Feldforschungsarbeiten 1984 bis 1986 und 1987/88, imakademischen Jahr 1985/86 auch mit studentischer Hilfe im Rahmen einesVolkskundeseminars an der Universität Ioannina, sich stützende Monogra-phie, die 1989 bereits abgeschlossen vorlag und ein Projekt des„, Histori-schen Archivs der griechischen Jugend" des staatlichen Generalsekretariatsfür die ,, Neue Generation“ darstellte, wurde nach der Auflösung dieserministerienartigen Instanz, die auch weitere Veröffentlichungen zu Biblio-graphie und Jugendliteratur bewerkstelligt hat, mit einiger Verspätung an derUniversität Ioannina herausgegeben. Die Verfasserin ist bereits durch eineMonographie zur weiblichen Tracht in Athen 1687 – 1834( Ioannina 1983),sowie durch eine monographische Auswertung Athener Heiratsverträge des19. Jahrhundert( P. Sant Cassia/ K. Bada, The Making of the Modern GreekFamily: Marriage and Exchange in Nineteenth Century Athens. CambridgeU/ P. 1992, vgl. meine Bespr. in. Südost- Forschungen 52, 1993, S. 553-558)bekannt. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sind auch schon 1986 ineinem Aktenband eines Internationalen Kongresses zur ,, Historizität desKindesalters und der Jugendzeit" in Athen 1984( Bd. 1, Athen 1986, S. 177 –191) thesenartig veröffentlicht worden. Gestützt auf die bekannten For-schungen von Philippe Ariès( L'Enfant et la Vie Familiale sous l'AncienRegime. Paris 1960, deutsch 1975, griechisch 1990) und vor allem angel-sächsische Fachbibliographie zur Familiensoziologie( hier vermißt man alsVolkskundler allerdings die Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Inge-borg Weber- Kellermann), versteht die Verfasserin die Kleidung als kommu-nikatives Zeichen, das über sozialen Status, Geschlecht, Alter, Herkunft,religiöse Zugehörigkeit und andere Konstanten der„, sozialen Identität“Aufschluß gibt( auf die volkskundlich relevante Monographie von P. Bo-gatyrev, The Function of Folk Custom in Moravian Slovakia. Paris 1971 wirdzwar verwiesen, aber der gerade für die Volkskunde fruchtbare semiotischeAnsatz ,, Tracht als Zeichen der sozialen Rolle“ ließe sich noch vertiefen).Die semiotische Zugangsmöglichkeit ist allerdings insofern von der Sacheher eingeschränkt, als Kinder und Jugendliche in den Volkskulturen dersozialen ,, Prä- Existenz“ angehören und keine definierbare soziale Rolleinnehaben, die sich in eigenständigen Kleidungs- Codes materiell hätte nie-derschlagen können. Was für die Erwachsenen gilt, gilt nicht ohne weiteresfür die Kinder. Vor der Aufklärung sind Kinder als eigene Existenzform der