Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLIX/ 98

Aber auch den Verkehrsverhältnissen ist ein größerer Abschnitt gewid-met, wird doch hier die Verbindung mit der Stadt ablesbar; so findet auch,, La tram"( die nach Namur führende Dampftrambahn) ein eigenes Kapitel.Wofern Volkssprachliches anklingt, handelt es sich selbstverständlich umwallonische Worte, nur einmal( auf S. 131) kommt mit der Formulierung,, kermesse" etwas aus dem niederländischen Sprachraum zum Anklang.

Das Buch enthält zahlreiche Photographien aus jener Zeit, manche sogarzweiseitig. Aufschlußreich ist das Kartenmaterial und die statistische Dar-stellung hinsichtlich Industrie und Handel in diesem Raum. Zwar wird keinvolkskundlicher Ehrgeiz entwickelt, doch wirken die vielseitigen Informa-tionen als Anregung und Grundkenntnis- Vermittlung.

Felix Karlinger

HERGESELL, Burkhard, Arbeiterkulturen im Betrieb. InterethnischeBeziehungen zwischen Produktionsarbeitern. Eine empirische Studie.Frankfurt am Main, IKO- Verlag für Interkulturelle Kommunikation, 1994.310 Seiten.

Mit seiner empirischen Studie zu ,, Arbeiterkulturen im Betrieb betrittBurkhard Hergesell Neuland. Sein kulturwissenschaftlicher Forschungsbe-reich sind interethnische Beziehungen in einem Industriebetrieb. Das Haupt-augenmerk richtet er dabei auf rassistische Erklärungsmuster zur Deutungund Konstruktion von individuell erfahrbaren sozialen Ungleichheiten imArbeitsalltag. Der Autor will aufzeigen, wie über scheinbare oder vorhan-dene kulturelle Unterschiede Einteilungen in, Wir und Sie Gruppenkonstruiert und festgeschrieben werden. Hergesell legt allerdings großenWert auf die Feststellung, daß diese Konstruktionen vom, Wir' und von den, Anderen variabel und veränderbar sind. Er selbst hat den Anspruch, mitseiner Arbeit keine Festschreibung bestimmter Bilder und Vorstellungen zukonstruieren, obwohl dies schwer durchführbar ist.

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Ausgewählt hat der Autor zwei Abteilungen eines Betriebes der Metall-industrie mit einem MigrantInnenanteil von 50% bzw. 75% der Belegschaft.Untersucht werden reine Männerabteilungen, sodaß die spezielle Diskrimi-nierungssituation von ausländischen Industriearbeiterinnen hier nicht disku-tiert wird. Frauen kommen nur rudimentär als Partnerinnen der befragtenMänner zu Wort. Ausdrücklich hingewiesen sei nochmals auf den Charakterder Untersuchung: es handelt sich nicht um eine statistische und repräsenta-tive Umfrage. Vielmehr geht es um die Aufzeichnung von Alltagserfahrun-gen unter bestimmten Lebens- und Arbeitsbedingungen und deren subjekti-ve Interpretation durch die Betroffenen. Es soll aufgezeigt werden, wie