1995, Heft 2
Literatur der Volkskunde
235
Im dritten Abschnitt beschäftigt sich der Autor mit den Elementen- wieWasser, Quellen, Brunnen- und ihren Beziehungen zu bestimmten Figuren.Hier wird viel Mythisches untersucht und gedeutet, wobei Lecouteux auchauf seine früheren Forschungen zurückgreifen kann. Das gilt zum Beispielfür den Wald als gewissen Zwischenbereich zwischen Diesseits und Jenseits.Informativ sind ein Dutzend Skizzen und Holzschnitte, vor allem dann,wenn sie wie auf S. 128 und S. 201 das gleiche Motiv- ,, Constitution dudomaine de Lusignan" zum Inhalt haben.
Reichhaltig( 6 Seiten) ist die Bibliographie und gediegen der Index. DasBuch ergänzt die anderen Forschungsarbeiten von Lecouteux sehr gelungen.Felix Karlinger
GENICOT, Léopold, Calme Hesbaye- Mon village en Namurois 1920 –1930. Terres Secrètes. Bruxelles, Didier Hatier, 1992. 183 Seiten.
Diese Ortsmonographie führt in die dem Hennegau östlich benachbarteLandschaft Hesbaye und greift zurück auf ein Jahrzehnt zwischen den beidenWeltkriegen. Der Autor ist schon aus anderen wallonischen Kulturgeschich-ten bekannt, in denen er eine Vielzahl von Objekten in Photographie undBeschreibung gesammelt hat.
Das vorliegende Buch konzentriert sich auf ein Dorf im weiteren Umkreisvon Namur. Genicot gliedert- manchmal etwas überspringend in: dieLandschaft und ihre Auswirkung auf ihre Bewohner, die Menschen und ihregewerbliche Bindung, in Alltag und Feiertag samt den damit zusammenhän-genden Gebräuchen. Man erhält auch rückblickend einige historische Anga-ben vermittelt, doch liegt der Akzent auf dem genannten Zeitraum zwischen1920 und 1930, als nach gewissen Veränderungen, welche der Krieg verur-sacht hatte, eine ruhige Periode eingetreten war, welche zugleich als Über-gang zwischen dem Status des 19. Jahrhunderts und der modernen Epochebetrachtet werden kann.
Vom Beruf her dominiert der Landwirt vor allem mit Getreidebau; auchda wird der Wechsel an der Einführung etwa von Dreschmaschinen ablesbar,während gleichzeitig noch Pferd und Rind als Zugtiere fast ausschließlichim Dienst sind. Zur religiösen Haltung des Bewohner schildert der Autornicht nur die wichtigsten Feste und Jahresereignisse zum Beispiel Erst-kommunion und Fronleichnams- Prozession- sondern er gibt auch Auf-schluß über die gebräuchlichsten Gebetbücher und ihren Inhalt. Man erfährtgerade auch in diesen den Feiertagen gewidmeten Kapiteln manches anwallonischen Begriffen lokaler Eigenart.