Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLIX/ 98

Internationales Symposion:

Die Macht der Anordnung. Museen und Ausstellungen im

Geschlechterdiskurs

Freitag, 24. und Samstag 25. März 1995,

im Österreichischen Museum für angewandte Kunst, Wien

Seit den frühen 80er Jahren existiert eine international geführte Diskus-sion zur Einbeziehung der Frauen- und, gender-Forschung in die Muse-ums- und Ausstellungsarbeit. Im Zentrum steht dabei die Hinterfragung desAnspruchs von Museen auf geschlechtsneutrale Allgemeingültigkeit und diedavon abgeleiteten Sammlungs- und Vermittlungsstrategien. Parallel zu dentheoretischen Diskursen wurden in verschiedenen Ländern( z.B. Dänemark,Deutschland, Großbritannien, USA, Australien) feministische Museumsmo-delle entworfen und realisiert, ebenso wurden Netzwerke gegründet, umZusammenarbeit und Austausch auf breiter Basis zu gewährleisten.

In Österreich bot das Symposion ,, Die Macht der Anordnung. Museenund Ausstellungen im Geschlechterdiskurs" nun erstmals ein Forum, uminternational arrivierte Vertreterinnen der Diskussion über Frauen und Mu-seen sowie verschiedene Modelle der Museums- und Ausstellungspraxis zupräsentieren. Konzeption, Organisation und Durchführung der Tagung lagenbei Gerlinde Hauer, Roswitha Muttenthaler, Anna Schober und ReginaWonisch, die seit Jahren im Museums- und Ausstellungsbereich tätig sindund außerdem gemeinsam an einem Forschungsprojekt über Frauen undMuseen arbeiten. Das Symposion sollte Gelegenheit bieten, die Frage, wiesich Museen und Ausstellungen zum Diskurs der Frauen- und ,, gender"-For-schung verhalten, von verschiedenen Seiten her zu beantworten versuchenund einen Erfahrungsaustausch auf internationaler Ebene ermöglichen. Daẞin Österreich das Interesse an solchen Fragen derzeit noch etwas unterent-wickelt ist, zeigte nicht zuletzt auch die eher spärliche Präsenz der inländi-schen Museums- und Ausstellungsszene auf diesem Symposion.

Geneviève Fraisse( Historikerin und Philosophin, Centre National de laRecherche Scientifique, Paris) hielt unter dem Titel ,, History Doesn't ProveHistoricity" den ziemlich enttäuschenden weil sehr unkonkreten und dif-fusen- Eröffnungsvortrag. Die von ihr dargelegten Fragen bzw. Forderun-gen waren viel zu allgemein gehalten und vermochten beim Publikum zudemganz offensichtlich keinen Neuigkeitswert mehr zu verbuchen. ,, GenderedDisplays and Gendered Readings. On Museums and Feminized History, soder Titel des Vortrages von Irit Rogoff( Kunsthistorikerin, lehrt kritischeTheorie und visuelle Kultur am Department of Art at the University ofCalifornia, Davis), ging dann schon bedeutend mehr auf das Thema Frauenin Museen ein, wenngleich der rote Faden auch bei Rogoff nicht immersichtbar war und ihre vielfältigen Interessen zu zahlreichen Exkursen führ-