1995, Heft 2
Mitteilungen
Ausstellung der Gouachen mährischer und schlesischerTrachten vom Anfang des 19. Jahrhunderts in Brünn
Von Miroslav Válka
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Es passiert nicht so oft, daß noch am Ende des 20. Jahrhunderts einumfangreiches ikonographisches Material gefunden wird, von dem dieVolkskundler bisher keine Kenntnis hatten. Eine solche ethnographischeEntdeckung glückte der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Ethnographi-schen Instituts des Mährischen Landesmuseums in Brünn, Dr. MiroslavaLudvíková, als sie im Jahre 1982 eine Sammlung von Zeichnungen bzw.Gouachen der mährischen und( österreichisch-) schlesischen Trachten fürihre Arbeitsstelle erwarb. Aus dem erhaltenen Verzeichnis ging hervor, daßdas Konvolut ursprünglich 159 Darstellungen enthalten hatte, von denen dasMuseum nur noch 98 erwerben konnte. M. Ludvíková stellte nach längerenNachforschungen fest, daß sich weitere 38 Bilder im Besitz des Adalbert-Stifter- Vereins in München und acht im Sudetendeutschen Archiv ebendortbefinden. Einen Anhaltspunkt bot der Katalog der Ausstellung„ Mähren.Malerische Ansichten aus Romantik und Biedermeier“, die der Adalbert-Stifter- Verein in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Museum fürAngewandte Kunst im Jahre 1975 auf Schloß Grafenegg bei Krems veran-staltete. Im Katalog wurden einige in die Sammlung gehörende Gouachenabgebildet. Leider gibt es bisher keine Informationen über die übrigen 15Gouachen, die noch verschollen sind.
Gleichzeitig mit der wissenschaftlichen Präsentation der Sammlung ineinigen Studien von M. Ludvíková( Časopis Moravského muzea 1984, 1985und Folia Ethnographica 1986, 1992) wurde auch die breitere Öffentlichkeitmit den Zeichnungen bekannt gemacht, und zwar durch eine im Jahre 1984in Brünn veranstaltete Ausstellung, die jedoch nur den in den tschechischenLändern gebliebenen Teil der Sammlung zeigte. Nach Änderung der politi-schen Situation und nach Anknüpfung der Kontakte mit Sudetendeutschen,konnte die Sammlung als Ganzes sowohl auf der tschechischen, als auch aufder deutschen Seite ausgestellt werden. Zuerst geschah dies in München unddann im sogenannten Palast des adeligen Damenstiftes, heute Sitz desEthnographischen Instituts des Mährischen Landesmuseums in Brünn, wodie Ausstellung vom 18. Mai bis 20. Juni 1994 unter dem Titel ,, Diemährischen und schlesischen Trachten in einer einmaligen Sammlung vonGouachen aus dem Jahre 1814“ stattfand.
Das Konvolut umfaßt das ganze Gebiet Mährens und des ehemaligenÖsterreichisch- Schlesiens, alle damaligen Bezirke und wichtigeren Herr-schaftsbereiche. Aufgrund einer datierten Zeichnung und eines mit der