1995, Heft 2 Mechanismen der Produktion und Rezeption von ,, Volkskunst"
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mit Blau deckend gestrichen. ,, Die angewendete Grundfarbe, seitdemdie farbigen Möbel in Mode kamen, war in der Regel blau, seltenergrün. Auf diesen Grund wurde die eigentliche Dekoration gemalt."schrieb Zell in der Einleitung zu seinem Bauernmöbel- Buch undbezog sich auf oberbayerische Möbel des ausgehenden 18. Jahrhun-dert. Das Beizen von Möbeln erfolgte bei Schoyerer in der eigenenWerkstatt, wurde somit als Schreinerarbeit angesehen. Schon An-strich- und Lackierarbeiten wurden außer Haus vergeben, Möbelma-lerei wurde nicht ausgeführt. Schoyerer beauftragte verschiedeneDekorationsmaler mit dieser aufwendigeren Oberflächengestaltung.
Die ornamentale und figürliche Bemalung der SchoyererschenBauernmöbel bestand in erster Linie aus sparsamen, stilisierten De-koren. Diese Motive verstand man als„, modernen Bauernstil“, derdem Jugendstil sehr nahe kam. Die Bemalung nach historischenVorbildern, etwa die Gestaltung von Türfeldern mit Heiligendarstel-lungen oder Blumenmalereien, blieb um 1900 bei Schoyerer dieAusnahme. Zwei Tafeln mit Vorlagemalereien sind erhalten: DieVorlagen sind mit Ölfarben auf festen Karton gemalt und mit ,, Muster1" und ,, Muster 2" beschriftet. Die wohl für Türen gedachten Feldersind golden umrahmt und haben abgeschrägte Ecken, an der linkenSeite setzt dunkelgrün- grau maserierter Streifengrund an. Innerhalbder Felder sind die Motive, eine gebauchte Henkelvase mit buntemBlumenstrauß und ein Früchtekorb, auf dunkelgrünen Grund gemalt.
In den Entwürfen Zells für Schoyerer blieb die Orientierung an derVolkskunst zunächst rudimentär. Die Verwendung von Farbe, von rotgebeiztem Fichtenholz, grün lasierter Eiche, blau gestrichenemWeichholz, nahm sich volkstümliche Möbel zum Vorbild. Zells Ent-würfe paraphrasieren seine Vorstellung vom Bauernmöbel. In einerseiner Publikationen beschrieb Zell die Farbigkeit als Charakteristi-kum bäuerlicher Möbel: ,, Und so finden wir seit Beginn der Rokoko-periode im Bauernvolke eine große Vorliebe, Haus und innere Ein-richtung, Tracht, Geschirr, auch all die sonstigen zum täglichenhäuslichen Gebrauch nötigen Gegenstände in den buntesten Farbenund ungebrochensten Tönen zu bemalen, die aber merkwürdig har-monisch zusammenstimmen. Herrscht im ländlichen Mobiliar Alt-bayerns hauptsächlich die blaue Farbe vor, so finden wir hier zu
9 Zell, Bauern- Möbel( wie Anm. 1), Vorwort.