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Bärbel Kleindorfer- Marx
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mer: Eichengrau, Frühstückszimmer: Bauernstube gemalt, VorplatzMöbel: Birnbaum roth gebeizt, Magdzimmer: Fichten gebeizt.“ ZumFrühstückszimmer, das als Bauernstube gestaltet war, gehörte eineKredenz, eine Truhenbank, ein Wäscheschrank, ein Tisch mit fünfStühlen und eine Standuhr.
Das historistische Ideal schrieb für das großbürgerliche Haus eineDifferenzierung der Funktionen der einzelnen Räume vor, denen fürdie jeweilige Funktion auch bestimmte Stile zugewiesen wurden. Diestilistisch verschiedenartige Einrichtung sollte die Räume eindeutigcharakterisieren, aber auch für die gewünschte malerische Abwechs-lung sorgen. Die Ratgeberliteratur und die Vorlagenwerke liefertenentsprechende Hinweise für die richtige Anwendung der Stile. Diesehistoristische Zuordnung der Stile, das Herrenzimmer in Renais-sance, der Damensalon in Rokoko, das Rauchzimmer im orientalisch-maurischen Glossar ::: zum Glossareintrag maurischen Stil, wurde fortgesetzt in der Bewertung des Bauernstils:bemalte Möbel gehörten in das Frühstücks- oder Eẞzimmer, allenfallsin das Jagdzimmer, standen aber auch im Fremdenzimmer und auf-grund ihrer naiv- bunten Dekoration im Kinderzimmer. Diese Möbelfüllten eher intime, denn repräsentative Räume.
Diese Beispiele deuten das Umfeld an, in dem die von Zell entwor-fenen und von Schoyerer gelieferten Bauernstuben ihren Platz fan-den. Die zur Gegenwelt städtischer Dekorationsgewohnheiten stili-sierte Volkskunst gehörte in das Landhaus. Fabrikanten und Kaufleu-te bestellten bei Schoyerer ,, Bauernzimmer" für ihre ländlichen Re-fugien. Die nostalgische Aneignung historischer Kulturgegenständeder bäuerlichen Bevölkerung, im Original wie in ,, künstlerischenNachbildungen“, wurde den Bürgern zu einem Vehikel für den zeit-weiligen Rückzug aus der industrialisierten Welt.
Bemalte Bauernstuben
Aufgrund des im Firmenarchiv vorliegenden Materials stellt sichdie farbige Gestaltung der Schoyererschen Bauernmöbel um dieJahrhundertwende folgendermaßen dar: Die aus Nadelholz gefertig-ten Bauernstuben erhielten häufig eine farbig gebeizte Oberfläche.Grün oder rot waren die Farben, die diesem Möbeltyp zugeordnetwurden. Die Schlafzimmer wurden überwiegend blau lackiert oder8 Verkaufsbuch 1905-1914, S. 62- 64. Firmenarchiv Schoyerer.