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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLIX/ 98
sich darbietende soziale Arrangement, die temporäre Versammlung vonAngehörigen der unterschiedlichsten Milieus, mangels anderer Stimuli imunterirdischen Raum in zwar flüchtiger, aber umso schärferer Wahrnehmungad notam genommen wird.
In ihren Ausführungen greift die Autorin auf das begriffliche RepertoireGoffmans zum Sozialverhalten des Individuums im öffentlichen Raum bzw.auf Thesen zur städtischen Lebensform etwa von Park, Hannerz und Sennettzurück. Diese theoretischen Vorgaben konfrontiert sie mit ihren eigenenUntersuchungsergebnissen, Zitaten aus dem ausführlichen Feldtagebuch,Interviewauszügen und Schilderungen persönlicher Beobachtungen- alle-samt Zeugen jener Lust am Schauen, die, einen alten Topos abgewandelt,nicht nur der Anfang, sondern wohl auch die Essenz jeder Kulturwissen-schaft ist. Wenn B. Lang in ihrem Resümee die U- Bahn als eine Art Schuleurbaner Kommunikations- und Interaktionsformen, als einen ,, Ort zur Sen-sibilisierung der Wahrnehmung" charakterisiert, schwingt darin die Faszi-nation des von ihr durchstreiften Forschungsfeldes im Untergrund Berlinsmit. Und sie versteht es, ein Gutteil dieser Faszination dem Leser zuvermitteln.
Herbert Nikitsch
KONTAXIS, Kostas D., Το θέμα τῆς τρέλας καί τῆς κουταμάροςστὴν ἑλληνικὴ λαϊκή παροιμία[ Das Thema des Verrücktseins und derStupidität im griechischen Volkssprichwort]. Ioannina, Selbstverlag, 1992,110 Seiten, 1 Karte auf Taf., französisches Résumé.
Die thematische Erforschung der griechischen Sprichwörter befindetsich, trotz der zahlreichen und z.T. umfangreichen Sammlungen( z.B. N.Politis' vierbändige Monographie mit internationalen Vergleichen, 1899.1902) in den Anfangsstadien. An über die reine Sammlung und Erklärunghinausgehenden Ansätzen liegen bisher nur Untersuchungen zumSprichwortgebrauch bei Aristophanes vor( Th. Kostakis, Laografia 24,1966, S. 133127), sowie für Kazantzakis( Dulaveras 1990, vgl. meineBesprechung in ÖZV XLV/ 94, 1991, S. 451- 453), der balkanische Ver-gleich von M. G. Meraklis 1985( Südost- Forschungen 46, 1987, S. 577f.),zu den Türken im griechischen Sprichwort( G. Kapsalis, Laografia 7, 1923,S. 385 421 und die Monographie von P. Hidiroglu 1987, vgl. meineBesprechung in ÖZV XLII/ 89, 1988, S. 445- 447), sowie die Dissertationvon A. Dulaveras 1989 zur Versform der griechischen Sprichwörter( vgl.meine Besprechung in ÖZV XLIV/ 93, 1990, S. 96- 97). ThematischeUntersuchungen sind ganz selten( die wenigen stammen von dem führenden