1995, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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jenen Inhalt, den die Gestalter bereithalten. Auch dieses optische Span-nungsverhältnis ist bemerkenswert.
Reinhard Johler
Wiener Jahrbuch für jüdische Geschichte, Kultur und Museumswesen.Herausgegeben im Auftrag des Jüdischen Museums der Stadt Wien vonJulius H. Schoeps in Verbindung mit Karl Albrecht- Weinberger, FelicitasHeimann- Jelinek, Gabriele Kohlbauer- Fritz und Bernhard Purin. Band1/1994/1995( 5755). Wien, Verlag Christian Brandstätter, 1994, 200 Seiten,S/ W- Abb.
Mit dem Wiener Jahrbuch hat sich das Jüdische Museum der Stadt Wien,gut ein Jahr nach seiner definitiven Etablierung im Palais Eskeles, einwissenschaftliches Forum geschaffen, das über den Rahmen der Museums-publikationen hinaus( bisher 12 Ausstellungskataloge sowie ein vierteljähr-lich erscheinender News- Letter) die Möglichkeit zur Veröffentlichung undDiskussion neuerer wissenschaftlicher Ergebnisse aus den Arbeitsgebietendes Museums bietet. Thematisch dringt gleich der erste Jahrgang ins titelge-bende Kerngebiet vor: In zehn Beiträgen geht es um jüdische Museologie,um historische Aspekte jüdischen Museumswesens einerseits und um spezi-elle Fragestellungen einer Musealisierung jüdischer Geschichte in der Ge-genwart andererseits. Daß sich dabei archäologische Rekonstruktionsversu-che und die Reflexion gegenwärtiger Diskussionen( Stichwort: Vergessendurch Erinnern?) immer wieder auf hohem Niveau durchdringen, macht dieQualität der Zusammenstellung des Bandes aus.
Die einzelnen Beiträge ausführlich zu besprechen, ist hier nicht der Platz.Hinter manchem steckt der Charakter einer Monographie- materialreich anbislang Unbekanntem und Vergessenem, kenntnisreich in den entsprechen-den Kontext gesetzt und mit großer hermeneutischer Sicherheit vorgetragen.Dies gilt etwa für Barbara Kirshenblatt- Gimbletts( New York) Beitragüber Jüdisches auf Weltausstellungen ,, Vom Kultus zur Kultur", die Über-setzung einer an anderer Stelle bereits publizierten Übersicht zur Präsenta-tion jüdischer Kultur auf den internationalen Ausstellungen des 19. und 20.Jahrhunderts bis 1940 vor dem Hintergrund einer Historisierung profanisier-ten Kultus'( siehe Besprechung der SIEF- Plenary Papers, Bergen, 1990,ÖZV XLVI/ 95/ 1992, H. 4, S. 540f.). Mit eindrücklichen Beispielen überNähe und Distanz von Ding und Sinn erläutert Jeffrey David Feldman( Oxford, Jerusalem) in ,, Die Welt in der Vitrine und die Welt außerhalb“ diesoziale Konstruktion jüdischer Museumsexponate. Er verweist dabei- an-hand historischer Judaica- Sammlungen-- auf die Verquickungen von Ästhe-