Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
105
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLIX/ 98, Wien 1995, 105- 125

Literatur der Volkskunde

GRABMAYER, Johannes, Volksglauben und Volksfrömmigkeit im spät-mittelalterlichen Kärnten.(= Kulturstudien, Bibliothek der Kulturgeschich-te, Bd. 24), Wien- Köln- Weimar, Böhlau, 1994, 327 Seiten.

Zugegebenermaßen tue ich mir mit dem volkskundlichen und noch mehrmit dem( alltags) geschichtlichen Frömmigkeitsbegriff schwer. Zudem ge-stehe ich, daß ich nach Wolfgang Brückners harscher Attacke gegen Johan-nes Grabmayers ,, Volksglauben und Volksfrömmigkeit im spätmittelalterli-chen Kärnten die Lektüre aussetzen mußte, um mir die für die Bespre-chung erforderliche Objektivität zu bewahren. Nun befinde ich mich ineinem fast ausweglosen Dilemma: Einerseits dürfte dieses( Mach-) Werknicht rezensiert und dadurch weiter bekannt gemacht werden, andererseitswäre es erforderlich, nahezu jede Seite einem ausführlichen Kommentar zuunterziehen, angesichts der 256 Seiten Umfang( ohne Zusammenfassung,Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Register) ein heilloses Unterfan-gen. Schließlich aber sind Zitate zur Lust und Belustigung des Lesersanzuführen; was die romantisch- sonnenbeschienenen Elegien etwa einesHans Fink über das mythische Südtirol und die tiefe Verwurzelung derGegenwart in der eiskalten Vorzeit des Ötztaler Gletschermenschen nochliebens- und( beinahe) lesenswert macht, 2 gerät hier zum Ärgernis. Dieideale Lösung wäre Schweigen, verbunden mit der Empfehlung an denLeser, die Lektüre spätestens nach dem Vorwort zu beenden, da alles andereZeit vergeudet.

Vorneweg: Die Studie stellt ein obskures Gemisch aus halb verstandenerVolkskultur- und obsoleter Magie- und Aberglaubenstheorie, kirchenkriti-scher Haltung, mythologisch- religionswissenschaftlichen Spekulationenund Vergleichen sowie auffallender Quellenferne dar.

Der Inhalt ist rasch skizziert und enthält das, was man gemeinhin mit,, Volksglaube" und ,, Volksfrömmigkeit assoziiert: ein wenig Tod, Begräb-nis und Sorge für den Toten( Toten ,, kult und Seelgeräte), eine Prise Heiligeund Heiligenverehrung, ein Teelöffel Wallfahrten und Prozessionen, selbst-verständlich als ,, volksfrommer Ausdruck spätmittelalterlichen Wunder-glaubens", dann ein Schuß Sozial- und Umweltgeschichtliches mit den,, Katastrophen des Spätmittelalters und ihren Auswirkungen auf Volksglau-ben und Volksfrömmigkeit und schließlich eine gehörige Portion der aller-liebsten Spielwiese des modernen Historikers, nämlich dem- unsinnigen-