Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
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1995, Heft 1

Chronik der Volkskunde

Festrede

Von Vizekanzler Dr. Erhard Busek, Bundesminister für Unterrichtund kulturelle Angelegenheiten

Lieber Herr Bezirksvorsteher, sehr geschätzter Herr Hofrat, lieber HerrProfessor Köstlin, sehr geehrter Herr Sektionsleiter, Herr Generaldirektor,Frau Abgeordnete, meine Damen und Herrn, liebe Mitglieder und Freundedes Vereins für Volkskunde in Wien!

Es ist für mich eine Ehre und Auszeichnung quasi an Ihrem hundertstenGeburtstag dabei sein zu dürfen. Es ist vielleicht ein ganz normaler Geburts-tag, einer, wie ich meine ,,, merk- würdigen Einrichtung. Wobei ich denBegriff merkwürdig nicht so verstanden wissen will, wie man ihn beiläufigverwendet, sondern ich glaube, daß im Staatsgeschehen Österreichs es wertund würdig ist, sich zu merken, daß es diesen hundert Jahre alten Verein fürVolkskunde gibt. Warum? Weil ich zunächst einmal schon nachdenken muß,in welcher Eigenschaft ich hier stehe.

Zunächst könnte man meinen, weil ich für die Museen zuständig bin. Aberwie bei so vielem hat Fritz von Herzmanovsky- Orlando auch hier die Handim Spiel. Gegenwärtig bin ich nicht ,, Museums- Minister", erst in wenigenTagen wird das Kompetenzgesetz mir diese Aufgabe wieder zuteilen. Zumzweiten ist das Museum für Volkskunde auch kein Bundesmuseum. Hier,meine Damen und Herren, liegt Ihre ganz große und einzigartige Bedeutung.Das Museum für Volkskunde ist nach wie vor ein Verein, der dieses Museumeigenverantwortlich führt, bei dem allerdings der Bund, das ist der Steuer-zahler, die Kosten trägt. Viele meiner Vorgänger haben versucht, hier eineKlärung herbeizuführen, ich auch, wir sind alle am Finanzminister und einwenig auch am Föderalismus gescheitert. Diese ungeklärte Rechtssituationhat einen unendlichen Vorteil: Die Führung dieses Museums ist für denSteuerzahler ,, preiswert und offensichtlich effizient.

Der Dank, meine Damen und Herrn, gilt Ihnen, der Dank gilt denMitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Dank gilt dem Leiter dieser Institu-tion und der Dank gilt all jenen, die irgendwo rundherum um dieses Hausund diese Einrichtung hier wirklich Wertvolles geleistet haben. Unter wech-selnden Vorzeichen, unter manchen historischen Belastungen, unter Miẞver-ständnissen, mit großartigen Leistungen als ein Gedächtnis menschlichenLebens. Es sei hier auch der Gemeinde Wien gedankt, die ihre Verantwor-tung in den letzten Jahren durch die Renovierung des Palais Schönbornbesonders wahrgenommen hat.

Erster Teil einer Festrede, habe ich mir gedacht. Ich gebe zu, daß ich dannein bißchen auf mich selber zurückgefallen bin und mir gedacht habe, was

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