Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
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Chronik der Volkskunde

Verein Museum- Gesellschaft

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Von Klaus Beitl

ÖZV XLIX/ 98

Wir danken Ihnen, daß sie unserer Einladung zur Festversammlunganläßlich des hundertjährigen Bestehens des Vereins für Volkskunde in Wiengefolgt sind, heute am 20. Dezember, dem Tag der Wiederkehr des Grün-dungsdatums, und an diesen Ort, den historischen Sitzungssaal des AltenWiener Rathauses, wo die ,, constituierende Versammlung" unserer damals, Verein für Österreichische Volkskunde benannten wissenschaftlichen Ge-sellschaft stattfand. Diese Kongruenz von Ort und Zeit der Vereinsgründungund des hundertjährigen Jubiläums, die dank der Mitwirkung des Hausherrn,Bezirksvorsteher Dr. Richard Schmitz, herbeigeführt werden konnte, wirdnoch überhöht durch den herzlich bedankten Umstand, daß der gegenwärtigeAmtsnachfolger des seinerzeitigen Gründungspräsidenten des Vereins, desMinisters für Cultus und Unterricht Paul Freiherr Gautsch von Franken-thurn, der nunmehrige Minister für Unterricht und kulturelle Angelegenhei-ten, Vizekanzler Dr. Erhard Busek, unser Fest durch seine Anwesenheit undRede auszeichnet. Überdies, so berichtet die Chronik, zählte der Verein fürÖsterreichische Volkskunde am Ende des ersten Geschäftsjahres ansehnli-che 950 Mitglieder; auch im hundertsten Vereinsjahr 1994 werden wir denStand von erwünschten tausend Mitgliedern nur knapp verfehlen...

So besehen, könnte man meinen, böte der Verein für Volkskunde dasbehagliche Bild ungestörter Kontinuität und abgeklärter Harmonie, wennwir nicht wüẞten, daß auch unsere Gesellschaft alle Höhen und Tiefen,Konjunkturen und Flauten, Brüche und Erneuerungen unseres zu Endegehenden 20. Jahrhunderts miterleben und miterleiden mußte. Das respek-table Jubiläum soll uns somit eher Herausforderung zur Prüfung sein, ineinem Moment des Zögerns zwischen nostalgischer Rückwendung underwartungsvoller Zukunftssicht.

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Ein dreifaches Spektrum: Verein- MuseumGesellschaft soll unserenVersuch einer Einschätzung der Befindlichkeit des Vereins für Volkskundean seiner Jahrhundertschwelle leiten.

Verein

Mit seiner konstituierenden Sitzung vom 20. Dezember 1894 im Sit-zungssaal des alten Wiener Rathauses ist auch in Österreich jene volkskund-lich- ethnographische Fachvereinigung ins Leben gerufen worden, wie sieknapp vor der letzten Jahrhundertwende in vielen Staaten gegründet wurden,und auf diesem Weg die Grundlage für die Institutionalisierung und weitere