Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band XLIX/ 98, Wien 1995, 80-104
Chronik der Volkskunde
100 Jahre Verein für Volkskunde in Wien
Am Tag der vor einhundert Jahren erfolgten konstituierenden Sitzung desVereins für Volkskunde in Wien( 20. Dezember 1894) lud der Vereinsvor-stand am Dienstag, dem 20. Dezember 1994, zu einer Festversammlung anden Ort der Gründungssitzung in den Gemeinderatssitzungssaal des AltenRathauses, Wipplinger Straße 8, 1010 Wien. Über dreihundert Vereinsmit-glieder und Freunde aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbartenAusland waren der Einladung gefolgt.
Nach einer Begrüßung durch den derzeitigen Hausherren, BezirksvorsteherDr. Richard Schmitz, sprachen der Präsident des Vereins für Volkskunde, HofratHonorarprofessor Dr. Klaus Beitl, und der Ordinarius am Institut für Volkskundeder Universität Wien, Univ.Prof. Dr. Konrad Köstlin, über historische Aspekteund Zukunftsperspektiven des Faches Volkskunde und des Vereins als einerseiner wichtigsten institutionalisierten Repräsentanten. Der zuständige Ressort-minister, Vizekanzler Dr. Erhard Busek, dankte in seiner Festrede für in hundertJahren geleistete Arbeit und reflektierte in weiterer Folge über die Bedeutungvon Verein und Museum für Volkskunde in der gegenwärtigen Gesellschaft. Diebetreffenden Festvorträge sind im Anschluß im Wortlaut wiedergegeben.
Oberrat Dr. Margot Schindler, Österreichisches Museum für Volkskunde,erläuterte das begleitende Musikprogramm, vorgetragen von KatarzynaKuncio, Mezzosopran, und Carolyn Hague, Klavier. Es wurden drei Liedervon Hugo Wolf, dem der Gründer des Vereines, Dr. Michael Haberlandt,freundschaftlich verbunden war, interpretiert( ,, Schlafendes Jesuskind" und,, Gebet" nach den Gedichten von Eduard Mörike und ,, Die ihr schwebet"aus dem ,, Spanischen Liederbuch").
Zahlreiche Vereine und Gesellschaften( Deutsche Gesellschaft für Volkskun-de, Göttingen; Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, Basel; UngarischeGesellschaft für Volkskunde, Budapest; Slowakische Ethnographische Gesell-schaft, Bratislava; Verein für ungarische Volkskunde, Komorn; SlowenischeEthnographische Gesellschaft, Ljubljana; Kroatische Ethnographische Gesell-schaft, Zagreb; Museumsverein Lauriacum, Enns), Universitätsinstitute undMuseen sowie Fachkollegen aus ganz Europa schickten Grußbotschaften undGlückwunschtelegramme, welche von Dr. Klaus Beitl kursorisch vorgetragenwurden. Für die befreundete Nachbargesellschaft, die Anthropologische Gesell-schaft in Wien, überbrachte in Vertretung des Präsidenten Univ.Prof. Dr. KarlWernhart, der Vizepräsident der Gesellschaft, Univ.Prof. Dr. Johann Szilvás-sy, eine Gratulation. Den Festabend beschloß ein Cocktail im Wappensaaldes Alten Rathauses.