1995, Heft 1
Wunderglaube und Heilserwartung im barocken Klosterleben
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zu übergeben sei. Schon aus der Zeit, in der sich die Holzstatue desJesukindes noch in der Obhut der Wiener Klosterfrauen befand,werden mirakulöse Begebenheiten erzählt:
Es befande Sich in Vnßern gedachten Wiennerischen Closter eineClosterfrau, welche mit oftsgemeldten Gnaden- Kindlein sehr Ver-traulich zu handeln Vnd Vmb zu gehen Pflegte, Selbiges mit Villfälti-gen schönen Tugendts Vbungen sonderlich aber der inbrünstigenliebe Verehrend. Alẞ Sie nun Einmahls unter dergleichen liebkoẞun-gen Ihme seine Handlein zartist zu küßen begunte, empfande Sie, daßselbige nicht wie sonsten daß holtz Von Natur hart, sondern wieanderer Kinder händlein gantz weich Vnd fleischig auch lieblichstwarm waren, Ja waß noch gnadenreicher ist, so Vermerckhte Sie,waẞmaßen das liebste Kindlein mit seinen zarten Handlein ihreHändt alẞo fest halte, daß Sie selbigen mitnichten außreißen könte,ob Sie schon auß forcht solches mit gewalt zu Thun sich bemühet.Weillen Sie dann sehr demüthig war, hat Sie Solche gnadt Niemahleneinigen Menschen geoffenbahret, alß Ihren beicht- Vatter, welcher Ihrauch erlaubet, selbiges andern zu offenbahren, aber erst nach IhrenTodt; der Es dan auch getreulich gethan im Jahr 1659, in welchen Erden 4.ten July dießen gantzen Verlauff an die R. S: Euphrasia in einemBrief geschrieben.
Jetzt aber, berichtet die Chronistin dann weiter, werde das Kindleinin ihrem Prager Kloster auf dem Altar des unteren Chors von denKlosterfrauen andächtig verehrt. Man habe auch oft bemerkt, daß dasKindlein in seinem gesichtl an der farb ändert, dan zu zeiten scheintes schon Rothhell und glanzendt, andersmahl aber bleich, finster, undgleichsamb betriebt, sonderlich aber hat mans beobacht am H: PalmSontag wan man sein abentmahl in der Recreation Stuben haltet, daneinmahl, hat Es schener, undt dem ansehen nach fröllicher, anders-mahl aber bleicher und gleichsamb betriebt außgesehen, nach be-schaffenheit der zeiten Vndt begebenheiten.
Daran schließt sich wieder ein mirakulöses Geschehen, das sichmit der wohl Ehrw: Schw. Euphrasia Von JESU Maria zugetragenhabe. Als diese nämlich dem Kindlein ein neues Röcklein nähte, abersehr Ubel auch undt schwach ware, alß sie daß Röcklein dem Kindleinanprobiern wollte, kunte sie auß schwachheit daß selbe nicht wohlhin und wider wenden, wegen deß schwären Stöckels worauf Esstehet; sagte sie gantz Vertraulich: ach, mein Allerliebstes Kindleinwan du dich Vmbwenden Thetest, damit ich dich recht Von allen