Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Einzelbild herunterladen
 
  

2

Elfriede Grabner

ÖZV XLIX/ 98

Burg- Graffen im Königreich Beheimb erkauffet worden, alwo nochheunt zu Tag Vnser Closter stehet.

Nach einigen kurzen Vorbemerkungen wird von der Chronistindann angemerkt, nach welchen Gesichtspunkten die Klosterchronikverfaßt wurde: Nun aber schreiten wür zur ordentlichen History, oderHistorischer Erzehlung deren Merkwürdigeren, Vnd zu wissen Nuzli-cheren begebenheiten eben dißer Vnßerer Pragerischen Kayẞerl:Vnd Königlichen Stüfftung nicht buch- oder Capitel weiß, sondernVon Jahr zu Jahr, erstlich waß die Lebendige, hernach aber waẞ dieVerstorbene belanget. Vnd zwar mit den bey Vnß bey fast allenAnfangen gewöhnlichen Spruch: Im Namen Vrißers Herrn Jesu Chri-

sti. Amen.

Das Jahr 1656 beginnt mit dem Bericht über die Ankunft derEhrwürdigen Mutter Maria Electa von Jesu, die zu dieser Zeit Priorindes Karmelitinnenklosters zu Graz war. Sie wird von Kaiser Ferdi-nand III. nach Prag berufen, um das neugegründete Kloster als Priorinzu leiten. Maria Electa stand schon damals in dem Ruf einer ,, ehr-würdigen und heiligmäßigen Mutter Oberin. Der Kaiser besann sichalso nicht lange, sondern warffe seine augen allergnädigst also baldtauf die, Selbsten schon Von langen Jahren her bestens bekante Ven:Mr: Maria Electa von Jesu damahlen würckliche Oberin oder Priorindes Gräzerischen Closters, Vnd ernennte sie für die Erste Vundfürnembste geistliche Stüffterin dißes Vnẞßers Closters zu Prag; Sand-te auch balt einen gewißen Comissarium nach Grätz mit aller Nöthi-gen Vollmacht, Selbige Vnverzüglich nach Wienn zu Verbringen. Den16. August geschahe der Abzug Von Grätz mit der Ehrw: Schw.Theresia Von Jesu, welche Ihr zur Gespänin mit gegeben worden, Vndden 20.'en eben selbigen Monaths kommen Sie zu Wienn glücklich an,wurden auch Von aldasigen Wohl Ehrwürdigen Müttern mit ungemei-ner freudt Vnd Liebe empfangen.³

Am 20. August 1656 trifft Maria Electa mit ihrer Gefährtin There-sia von Jesu in Wien ein und reist dann am 23. August mit drei2 Chronik, S. 6f., Nr. 7. Die Texte der Chronik, die wohl erst in den erstenDezennien des 18. Jahrhunderts aus umfassenderen, zeitgetreuen Unterlagen alsjährliche Eintragung niedergeschrieben wurden, werden wortgetreu in der- oftfehlerhaften- Orthographie dieses Jahrhunderts wiedergegeben.

3 Chronik, S. 8, Nr. 9.

4 Bei der Karmeliternonne Theresia von Jesu handelt es sich um die am 7. Jänner1629 in Graz geborene Maria Theresia Strobl- die Familie wurde später geadeltund nannte sich dann ,, von Stroblhofen"- die durch ein seltsames Visionserleb-